Aus dem Fundus
Warum Düsseldorfs Opernchef Tobias Richter als letzte Neuproduktion für die räumlich beengte Ausweichspielstätte RheinOperMobil ausgerechnet Charles Gounods «Faust» auf den Spielplan setzte, bleibt auch nach Besichtigung des musikalisch-szenischen Ergebnisses eine offene Frage. Nicht die frühe Dialogfassung von 1859 wird gespielt, sondern die erheblich erweiterte, durchkomponierte Version von 1869.
Zwar bietet man das oft als Paradestück kulinarischer Opernunterhaltung präsentierte Werk mit triftigen Strichen (der Studentenchor «Vin ou bière» fehlt ebenso wie das Ballett), doch bleibt der Versuch, das temporäre Alu-Zelt zum Podium einer aufs Wesentliche, nämlich die Triebkräfte Fausts, Marguerites und Mephistos konzentrierten éducation sentimentale zu machen, aufs Ganze gesehen unbefriedigend.
Das liegt zum einen an Michael Simons Personenführung. Die offenkundige Intention, den Figuren psychologische Konturen zu verleihen, läuft meist ins Leere – vor allem, weil Gestik und Körpersprache der Protagonisten kaum mehr als Klischees aus dem Theaterfundus produzieren. Eine Verdichtung der grand opéra zum drame lyrique, die Abschmelzung der Tableaus auf das Format eines intimen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Fast siebzig Jahre hatte es nach der Züricher Uraufführung gedauert, bis Alban Bergs «Lulu» 1986 erstmals in Regensburg zu erleben war. Wiederum einundzwanzig Jahre später kam jetzt die zweite Inszenierung heraus. Intendant Ernö Weil realisierte die zweiaktige Fassung in der stimmigen Ausstattung von Daniel Dvorák, besetzt mit hauseigenen Kräften. Dass die...
Mit ihrer Entscheidung für «La resurrezione», Oratorio in due parti, haben die Karlsruher zum 30. Jubiläum ihrer Händel-Festspiele eins der schwächeren Werke Händels als Hauptbeitrag gewählt. Komponiert vom Dreiundzwanzigjährigen auf seiner zweiten Rom-Reise 1708, gehört diese «Auferstehung» zu jener Spezies der «Opera proibita», die während des von Papst Innozenz...
Operation gelungen, Patient tot, heißt das Fazit des musikalisch stimmigen, aber szenisch gänzlich missratenen Abends, mit dem Albrecht Puhlmann die von seinem Vorgänger Klaus Zehelein initiierte Auseinandersetzung mit der musikalischen Avantgarde aufgreift und fortschreibt. Bruno Madernas 1964 in Venedig uraufgeführter «Hyperion» ist keine Oper, sondern – so der...
