Editorial Mai
Der ganz normale Wagner-Wahnsinn, könnte man sagen. Und doch: Gerade wenn es nicht so läuft, wie es soll, kommen erstaunliche Dinge ans Licht. Zum Beispiel, dass Lance Ryan, einer der meistbeschäftigten Tenöre des Wagner-Jahres, sich zumutet, an einem Tag, an dem er an der Berliner Staatsoper (zu Höchstpreisen) den Siegfried singen soll, auch noch anzureisen. Eine Flugverspätung verhinderte nun, dass er den Beginn der Vorstellung erreichte. So kam Andreas Schager, der zufällig im Haus probte, zu einem Überraschungsdebüt unter Daniel Barenboim.
Er sang den ersten Akt von der Seite und fuhr danach in die Philharmonie, um bei Simon Rattles «Zauberflöte» mitzuwirken, während Ryan zum zweiten Akt die Bühne betrat.
Anderes Beispiel: Da klappt Franz Welser-Möst nach dem ersten Akt einer «Parsifal»-Vorstellung in der Wiener Staatsoper zusammen. Kreislaufkollaps infolge eines Hexenschusses. Er hatte sich vier Aufführungen in fünf Tagen vorgenommen. Der Korrepetitor vom Abenddienst springt ein: James Pearson hat 30 Jahre an keinem Dirigentenpult mehr gestanden, die Sache aber einstudiert. Früher, in der Frankfurter Ära von Michael Gielen, hat er den Berghaus-«Ring» betreut. Ein Riesenerfolg. ...
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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch & Albrecht Thiemann
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