Editorial August
Skylark hat Angst. Eigentlich sollte jetzt sein großer Auftritt stattfinden. Er sollte aufsteigen in den Himmel, Symbol des befreiten Individuums, alle Blicke auf sich ziehen – und nach oben. Doch Skylark dreht nur eine kleine Runde knapp über den Mönchsköpfen und bringt sich bei seinem Trainer in Sicherheit. Es ist Mitternacht. Skylark gehört als finale Pointe zum Stockhausen-Großprojekt der Musica Viva, aber nachts fliegen keine Raben. Also auch Skylark nicht. So bleibt es bei einer Andeutung dessen, was sein könnte, sollte, müsste in der Münchner Fußgängerzone.
Aber wir haben schon verstanden. Stockhausen, der große Guru, selbst einer von denen, die gern abheben, war alles andere als ein cooler Technikfreak. Er wollte in seinem «Licht»-Zyklus das ganze Leben porträtieren – Himmel und Erde, Seele und Körper, Glaube, Liebe, Hoffnung, Geburt und Tod. Mit Klavierclustern und Engelszungen, mit Bläserstürmen und Orchesterstimmen, mit einem Mönchschor, der singend, psalmodierend, stampfend, rasend Luzifers böse Geister vertreibt. Bis die Luft rein ist. Nicht nur für den Vogel. Doch auch ohne Skylark war er eine grandiose Erfahrung, dieser «Samstag aus Licht». Man muss sie eben nur ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch & Albrecht Thiemann
Könnte es sein, dass der schweizerisch-amerikanische Komponist Ernest Bloch mit seiner Oper «Macbeth» dem dramatischen Idiom des Shakespeare’schen Königsdramas näherkommt als Verdi? Man ist versucht, die Frage mit Ja zu beantworten, wenn man die erste professionelle U. S.-amerikanische Produktion des Dreiakters gehört hat, die jüngst an der kalifornischen Long...
Die Geschichte ist zu schön, um wahr zu sein. Verdi, der Komponist des Risorgimento. Verdi, ein Mann des Volkes. Verdi, der Nationalheld, der mit «Va, pensiero, sull’ali dorate», dem berühmten Gefangenenchor aus «Nabucco», die Unabhängigkeitshymne Italiens schrieb. «Viva V.E.R.D.I.» – selbst der Schlachtruf, mit dem italienische Patrioten Vittorio Emanuele Re...
Vox populi. Klingt gut. Irgendwie griffig. Ein bisschen exklusiv (man spricht Latein!), aber doch der Plebs zugewandt. Unter diesem Motto stand die jüngste Spielzeit der Bayerischen Staatsoper. Also auch die Festspielwochen, mit denen Deutschlands bestausgestattete Opernbühne traditionell das Theaterjahr beschließt. Vox populi. Eine Dachmarke. Auf der Homepage...
