Dunkle Fülle
Eine Müllhalde, davor ein scheinbar endloser Flüchtlingsstrom: Das erste Bild lässt rabiate Aktualisierung erwarten. Doch was Ausstatter Stefan Heyme auf die Bühne gestellt hat, ist weniger naturalistisches Abbild als stilisierte Skulptur. Regisseurin Tatjana Gürbaca gewinnt daraus ein Emblem menschlichen Elends, das Gegenwart und Vergangenheit erhellend aufeinander bezieht, ähnlich wie die Maler des Mittelalters, die sich Personen der Heilsgeschichte als ihre Zeitgenossen vorzustellen pflegten.
Die Regisseurin nutzt auch die Raumsituation im Kölner Staatenhaus, die flache Breitwandbühne und den bis weit ins Publikum ragenden Steg; das groß besetzte Orchester ist links und rechts davon platziert. Mitwirkende und Publikum teilen einen Raum, eine Zeit: Das ist die Konstellation des Mysterienspiels, das von alters her das Exemplarisch-Überzeitliche verhandelt.
Genau dies war auch Walter Braunfels’ Anliegen. Das Schicksal Johannas, der «Jungfrau von Orléans» – gefeiert, verstoßen, verurteilt – musste ihm schon deshalb nahegehen, weil ihm selbst im nationalsozialistischen Deutschland Ähnliches widerfahren war. Der hoch geachtete Komponist und Hochschulrektor sah sich unversehens als ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Ingo Dorfmüller
Zangezi» ist so etwas wie das Opus summum des russischen Futuristen Velimir Chlebnikov (1885-1922). Ein als Drama konzipierter, im Grunde aber epischer Text, in dem er die fundamentalen Themen seines Schreibens zur Synthese zu führen sucht: Der Prophet «Zangezi» ist ein Alter Ego des Autors, die ihm in den Mund gelegten Spekulationen – etwa über die nach...
Martin Shkreli – laut BBC der meistgehasste Mann der USA, stets mit einem schmierigen Lächeln im Bubengesicht – pries kürzlich vor Gericht den Turbokapitalismus: «In dem System, in dem wir leben, musst du alles in deiner Macht Stehende tun, um den Gewinn zu maximieren. Das ist Business. Da kannst du keine halben Sachen machen ...». Shkrelis Pharmafirma hatte den...
Edgar Allan Poes 1838 erschienener Roman «The Narrative of Arthur Gordon Pym» gehört zu den rätselhaftesten Texten der Weltliteratur. Was als Abenteuerbericht eines blinden Schiffspassagiers beginnt, endet im Mahlstrom, auf den die beiden letzten Überlebenden im Meer zutreiben. Dazwischen erleben Pym und der Maat Peters alle Grauen und Katastrophen aus dem...
