Dürftig

Gelsenkirchen, Bellini: Zaira

Opernwelt - Logo

In Gelsenkirchen, das sich seit Jahren mit viel Engagement, aber wenig künstlerischer Fortune, der italienischen Belcanto-Oper des frühen Ottocento annimmt, kam Bellinis «Zaira» zu deutschen Erstaufführung, ja zur ersten Aufführung außerhalb Italiens überhaupt.

Dem 1829 bei seiner Premiere in Parma durchgefallenen Werk liegt Voltaires zur Zeit der Kreuz­züge spielende Tragödie von der Liebe der Christensklavin Zaira zum muselmanischen Sultan Orosmane zugrunde, die Felice Romani in seinem Libretto aller aufklärerischen Tole­ranz­ideen entkernt und auf den romantischen Grundkonflikt der tödlichen Passion konzentriert hat, ohne doch auf diese Weise eine stimmige Dramaturgie zu erreichen. Bellinis Musik oszilliert denn auch unentschieden zwischen blassen Reminiszenzen an Rossinis Klassizismus und jenen romantischen Exzessen der Leidenschaft, wie er sie selbst 1827 in der Finalszene von «Il pirata» erstmals auf die Opernbühne gebracht hatte. Nach der erfolglosen Uraufführung sah Bellini sein Scheitern ein und schlachtete große Teile der «Zaira» für seine nächste Oper «I Capuleti e i Montec­chi» aus (dem Trauerchor der gefangenen Franken auf den Tod Lusignanos begegnen wir in «Norma» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Verdi-Dämmerung in Parma

Auch das Publikum ist nicht mehr das, was es einmal war. Beispiel: Parma. In der Verdi-Hochburg übte es noch in den frühen sechziger Jahren mit gnadenloser Strenge sein selbst erteiltes Richteramt aus. Auch die Großen blieben nicht verschont. Rosanna Carteri etwa flüchtete sich während einer «Traviata»-Aufführung vor den Missfallenskundgebungen in eine Ohnmacht,...

Verdi: Don Carlo

Über dem Musiktheater in der Goldstadt Pforzheim liegt der Schatten der jeweils nur eine halbe Bahnstunde entfernten Konkurrenz in Karlsruhe und Stuttgart. Mit dem Mut der Verzweiflung fordert der Pforzheimer Opernchef und GMD Jari Hämäläinen die beiden Staatstheater auf deren ureigenstem Gebiet, der gro­ßen Oper, heraus. «Fidelio», «Tosca» und «Don Carlo» standen...

Stadt und Land

Das deutsche und österreichische Repertoiresystem, im Einzelnen schon durch die normative Kraft des Fak­tischen in Frage gestellt, hat mit den Pariser Opern­gepflogenheiten wenig gemein. Das einzige Opernhaus, das sich mit deutschen Bühnen vergleichen lässt, ist die Opéra ­National mit ihren beiden Spielstätten Opéra de Bastille (2700 Plätze) und Palais Garnier,...