Du bist nicht allein
Schaut man die Spielpläne der nächsten Saison durch, überkommt einen in Sachen Wagner und Verdi das große Gähnen. Nur wenige Häuser haben sich Originelles ausgedacht zu den Geburtstagen dieser zwei so unterschiedlichen Operntitanen des 19. Jahrhunderts, die sich zum 200. Mal jähren. In Leipzig beleuchtet man die drei Frühwerke Wagners neu, in Dresden konzentriert man sich auf den Dresdner Wagner und seine Zeitgenossen. Noch weniger kreativ war man in Sachen Verdi.
Kein Theater, das sich explizit mit dem Risorgimento-Verdi, dem antiklerikalen oder dem Galeerenjahren-Verdi, dem Schiller-, Shakespeare-, Hugo- oder Byron-Verdi beschäftigte. Ganz zu schweigen von der Hoffnung, dass etwa die drei Berliner Opernhäuser mit vereinten Kräften alle 28 Opern präsentieren würden. Was hätte das für ein Fest mit internationalem Zulauf werden können!
Immerhin hat am Theater Basel Christoph Marthaler jüngst eine für ihn typische Verdi-Collage namens «Lo stimulatore cardiaco» herausgebracht. Von ganz anderem Kaliber ist freilich, wozu Gerard Mortier in Madrid, beide Jubilare zusammenspannend, Alain Platel angeregt hat. Und nicht nur Wagner- und Verdi-Gedenktage, auch der arabische Revolutionsfrühling ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Manuel Brug
Weiße Kuschelwolken, gleißender Himmel, ruhige See. Die Schönen der Insel aalen sich auf einer schicken, zweistöckigen Landungsbrücke. Ein herrlich süßes ägäisches Nichtstun-Leben auf der Insel Skyos geht einen Tag weiter. Wäre da nicht das so lustig hereintuckernde U-Boot, das nicht nur schnittige Soldaten auswirft, sondern auch Ärger, Kriegsnachrichten,...
Sinnlichkeit auf der Bühne und intellektuell-übersinnliche Diskurse schließen einander nicht aus. Zu Zeiten von «Regietheater» und «Postdramatik» geht es um Grundfragen zum Komplex Werk/ Werktreue. Haben die Begriffe noch Sinn? «Was ist Werk, was Treue?», lautet der Untertitel eines Buchs, dem ein Symposium von 2010 zugrunde liegt, Teil des Zürcher...
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