Drommetenrot
Polizeikordons in der Altstadt von Brno. Am Platz vor der Reduta, in der schon der elfjährige Mozart konzertiert hatte, sammelten sich Demonstranten, der milde Sonnenschein mochte so gar nicht mit der Aggression übereinstimmen, die in der Luft lag. Ein Tag im Mai, die Rechten wollten aufmarschieren, die Linken hatten viel dagegen.
Der Platz war gut gewählt, gilt die Reduta doch nicht nur als historisch bedeutsames Theater- und Konzertgebäude, sondern bis heute auch als Ort wichtiger politischer Versammlungen – speziell der im Gedenken an Mozarts Gastspiel nach ihm benannte und kürzlich renovierte Saal, dessen Charakteristikum eine in ein ganz eigenartiges Rot getauchte Tapete ist. Es könnte das «Drommetenrot» sein, von dem der aus Prag stammende Schriftsteller Leo Perutz in seinem Roman «Der Meister des jüngsten Tages» spricht – jenes Rot, das beim großen Gericht den Himmel färben wird.
Eben dieses Rot leuchtet dem Zuschauer auch beim neuen «Macbeth» von der Bühne des Janácek-Theaters in Brünn entgegen. Denn Regisseur Bruno Berger-Gorski und Bühnenbildner Daniel Dvorák (zugleich Intendant des Nationaltheaters Brünn) haben das Ehebett der Macbeths, in dem die auf Macht versessene ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als Greta Garbo eine Rolle in Sack und Asche zu spielen hatte, verlangte sie, unter den Lumpen seidene Wäsche tragen zu dürfen. Auf den Hinweis, dass keiner dies sehen würde, erwiderte sie: «Aber ich werde mich dann wohler fühlen.» Ob sich die bulgarische Sopranistin Krassimira Stoyanova wohlgefühlt hat in ihrem dunkel-düster-schäbigen Habit, das sie bei ihrem...
Peter Konwitschny, seit 2008 Chefregisseur an der Oper Leipzig, hat den dortigen Spielplan, zugegebenermaßen notgedrungen, bisher vor allem mit erfolgreichen eigenen Arbeiten bereichert, darunter einschlägige Klassiker wie seine Grazer «Aida» (1994). Im September wird er im Haus am Augustplatz seinen Hamburger «Lohengrin» (1998) in einer Neueinstudierung...
Eine zweite Heimat am Oberrhein: Dazu scheinen sich Basel und Freiburg für Calixto Bieito zu entwickeln. In der nächsten Spielzeit geht es mit Janáceks «Totenhaus» dort und Ligetis «Grand Macabre» hier weiter. Kurz nach der Baseler «Lulu» (OW 4/2009) indessen erst mal Manuel de Fallas «La vida breve» im Breisgau. Das bedeutet zunächst einen Umzug des knappen,...
