Diskussion Musikkritik
Es war viel Arbeit, aber auch ein großes Vergnügen: Als Vorbereitung für das Jubiläumsfest und für dieses Jahrbuch haben wir alle Hefte der «Opernwelt» aus fünfzig Jahrgängen durchgesehen. Manchmal mit einer gewissen Scheu: Wie hat die Redaktion von damals auf die gesellschaftlichen Umwälzungen von 1968 reagiert? Hatte «Opernwelt» eine gute Nase für wirklich zukunftsträchtige Talente? Sind zentrale Uraufführungen und Inszenierungen richtig eingeschätzt worden? Die Antwort fiel beruhigend aus.
Natürlich sollte die Geschichte manchmal anders entscheiden als der einzelne Kritiker. Einen Verriss von Gershwins «Porgy and Bess» (als Stück!) würde heute niemand mehr drucken. Ansonsten aber war es für uns, die heutige Redaktion, beeindruckend und informativ, wie die Kollegen verschiedener Generationen die Zeitschrift auf der Höhe der Zeit gestaltet haben.
Natürlich haben sich Diktion und Inhalte gewandelt. Manche Themen begleiten «Opernwelt» aber auch durch die Jahrzehnte. Auf den folgenden Seiten sind einige Texte zusammengestellt, über die wir uns besonders gefreut oder amüsiert haben: «Opernwelt» als Ratgeber zum Beispiel. Oder als Forum für den Diskurs. Oder als Podium für eine ...
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Ist die Guckkastenbühne des 18. und 19. Jahrhunderts ein Auslaufmodell?
Ich komme gerade aus Italien, wo Hunderte herrlich altmodischer Theater- und Opernhäuser leer stehen oder totgespart werden. Mein Lieblingstheater ist das Teatro Olimpico von Palladio in Vicenza: ein oval in die Breite gezogenes Amphitheater im antiken Sinne. Ein archaisch zeitloser herrlicher...
Weder durch unerhörte Kehlfertigkeit, noch durch jene kleine Koketterie des Vortrags, durch die viele Sängerinnen sich den Beifall bald zu erlächeln, bald zu erweinen wissen, sucht sie sich Triumphe zu bereiten, aber sie entzückt durch die natürliche Anmuth ihrer metall- und umfangreichen Stimme und ihres Vortrages, die Wärme und Wahrheit des Gefühls, die schon im...
«Die Kunst blüht, ist an der Herrschaft, streckt ihr rosenumwundenes Zepter über die Stadt hin und lächelt.» Ein Paradies. Und exakt 108 Jahre her. Es war Thomas Mann in der Novelle «Gladius Dei», der damals so von der Isarstadt schwärmte. Sein Fazit: «München leuchtete», was zu einer fast gleichnamigen kommunalen Medaille, zu «München leuchtet» führte, mit der die...
