Schlingensiefs letzte Idee
Ist die Guckkastenbühne des 18. und 19. Jahrhunderts ein Auslaufmodell?
Ich komme gerade aus Italien, wo Hunderte herrlich altmodischer Theater- und Opernhäuser leer stehen oder totgespart werden. Mein Lieblingstheater ist das Teatro Olimpico von Palladio in Vicenza: ein oval in die Breite gezogenes Amphitheater im antiken Sinne. Ein archaisch zeitloser herrlicher Raum, in dem ich gern Opern sehen würde.
Erstaunlicherweise sind aber selbst die modernsten Opernhäuser, wie sie gerade auf der Architekturbiennale in Venedig für China eindrucksvoll in fantastischen futuristischen Modellen vorgestellt werden, im Inneren mit traditionellen Rangtheatern mit Guckkastenbühnen ausgestattet. Auch das soeben eröffnete Opernhaus von Oslo, eine modernistische «Eisscholle», ist im Inneren ein traditionelles Rangtheater mit Guckkastenbühne, ja das Auditorium hat sich geradezu emphatisch die Semper-
oper von Dresden zum Vorbild genommen.
Diese gehört ja auch gewiss zu den besten Opernräumen der Welt, auch wenn Semper sie noch als traditionelles Rangtheater gebaut hat, welches allerdings durch den Wiederaufbau von Wolfgang Hänsch so unmerklich wie genial verändert und verbessert wurde. Semper wurde zum ...
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Christoph Schlingensief war ein Passions-Künstler und Ritual-Verweser. Vieles bei ihm kam aus Wagners Opernwelt – und führte wieder in diese zurück: Das Gesamtkunstwerk wird globalisiert und lokalisiert zugleich, das gilt für Bayreuths Grünen Hügel wie für die Grünen Hügel Afrikas. Schlingensiefs Tod zwingt erneut zum Nachdenken über Kunst und Leben.
Es war gewiss...
Herr Meyer, in einem Interview sagten Sie, das Budget der Staatsoper sei «nicht in Ordnung» – die Wiener Staatsoper erhalte zur Zeit nicht einmal die Hälfte der Subvention der Pariser Oper. Glauben Sie, das ändern zu können?
Was ich gemeint habe, ist, dass die Staatsoper seit Jahren keine Erhöhung bekommen hat. Auch wenn die Inflation in den letzten 20 Jahren ...
In einem Darmstädter Vortrag von 1961 dachte Theodor W. Adorno darüber nach, was künstlerische Utopie bedeutet. Seine Antwort: «Dinge machen, von denen wir nicht wissen, was sie sind.» Das konnte, über alle Sentenzhaftigkeit hinaus, konkret auf die Nachkriegs- und Wirtschaftswunderjahre bezogen werden. Und es hatte weitreichende Folgen. In der Oper bedeutete der...
