Die unerträgliche Geschmeidigkeit des Seins
Shibuya Crossing, an einem milden Februar-Abend. Wenn die Fußgängerampeln Grün zeigen, ist von den strahlendweißen Zebrastreifen, die Tokios berühmteste Straßenkreuzung zieren, nichts mehr zu sehen. Aus allen Richtungen ergießen sich gigantische Menschenwellen auf den Asphalt. Sie strömen an den Rändern des von trendigen Shopping Malls, von Wolkenkratzern und Hochbahntrassen umstellten Quadrats, wogen kreuz und quer, schwappen in der Mitte zusammen und sind im Nu wieder verlaufen. Kaum hat der motorisierte Verkehr freie Fahrt, staut sich auf den Gehwegen der nächste Körper-Tsunami.
Organisiertes Chaos im Zwei-Minutenrhythmus. Was da pausenlos aufgeführt wird, ist ein streng getaktetes Live-Spektakel, eine Art spontanes Mitmach-Theater für alle, das sich immer wieder neu formiert. Und ein geschmeidiges Massenschauspiel, über das Besucher aus Europa nur staunen können.
Selbst in höchster Verdichtung gehen die Seitenwechsel ohne Rempler und Geschiebe ab. Als sei jede Bewegung von einem inneren Kompass gesteuert, der Kollisionen ausschließt. Gerade im hochfrequentierten öffentlichen Raum ist, so scheint es, die Sphäre des Einzelnen unantastbar. Umsicht, Rücksicht, Weitsicht – das ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Reportage, Seite 48
von Albrecht Thiemann
Endlich wieder eine Uraufführung auf der Hauptbühne des Gran Teatre del Liceu in Barcelona; die letzte, Joan Guinjoans Oper «Gaudí», liegt fast 15 Jahre zurück (siehe OW 1/2005). «L’enigma di Lea» von Benet Casablancas, 1956 geboren, Katalane und Schüler unter anderem von Friedrich Cerha, wurde 2011 vom damaligen Künstlerischen Leiter Joan Matabosch in Auftrag...
60. Jahrgang, Nr 4
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Der Name klingt nicht nach Afrika. César Francks «Hulda» spielt im frühmittelalterlichen Norwegen, zur Zeit der kriegerischen Sippen. Der belgisch-französische Komponist hatte für sein Opernprojekt das erfolgreiche Drama «Halte-Hulda» des späteren Literatur-Nobelpreisträgers Bjørnstjerne Bjørnson ausgewählt. Mit der Psychologie der Vorlage vermochte das Libretto...
