Die Letzten werden die Ersten sein

Eine Reise mit Tschaikowskys «Eugen Onegin» führt durch den Winter in den Frühling: von Freiberg, Schwerin und Stettin nach Hannover, Bielefeld und Mainz

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«Kuda, kudà...» Wohin, wohin man schaut: Eine «Eugen Onegin»-Welle schwappt durch die Republik. Nicht weniger als zehn Neuinszenierungen verzeichnet das Internetportal Operabase im Wagner-Verdi-Jahr, die Hälfte davon in den Monaten März und April. Rechnet man das kurz hinter der vorpommerschen Grenze liegende Stettin dazu, sind es elf. Verglichen mit den rund zweihundert «Ring»-Inszenierungen, die es dieses Jahr geben soll, sind die 5 Prozent «Eugen Onegin» natürlich peanuts.

Dass Wagners im Revolutionsjahr 1848 unter dem Einfluss seiner Debatten mit Bakunin und dem ­Proudhonianer August Röckel konzipierte Tetralogie von der Abschaffung des Geldes den Geist in Zeiten der Euro-Krise fasziniert und mit dem Opium seiner Überwältigungsmusiken berauscht, liegt auf der Hand. Was aber treibt Theaterleute im selben Moment zu einem Spiel, das sich trotz eingestreuter Chor- und Gesellschaftsszenen in die Kammer zurückzieht und in der Tradition des russischen realistischen Romans Kritik am Individuum übt?

Es muss das aktuelle Gefühl der Vergeblichkeit sein. Materiell geht es den Figuren in Tschaikowskys «Lyrischen Szenen» gut. Trotzdem verfehlen sie ihr Glück. Glaubt man dem ...

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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Reportage, Seite 34
von Boris Kehrmann

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