Die Kunst des Tauens
Auf dieser Bühne sang 1957 Birgit Nilsson ihre erste Turandot: Ganz schön mutig von Nina Stemme, ihr Debüt als Eisprinzessin ausgerechnet hier zu geben. «Ich habe mir gesagt: Wenn ich scheitere, dann lieber zu Hause», lacht sie. Doch Nina Stemme scheitert nicht.
In einem surreal-schrägen Zimmer starrt ein Dandy mit schnittigem Schnauzbart gedankenverloren auf die Tasten eines Klaviers: der Meister selbst.
Puccini blättert in einer Notenmappe und zieht dann eine Spieluhr auf: pling! Das chinesische Hauptthema erklingt, die Oper ist erfunden, und Thomas Søndergård kann den Einsatz für die Ouvertüre geben. Aus Puccini wird Calaf, doch die doppelte Ebene bleibt: Samtrote Sitzreihen schieben sich auf die Bühne, in Abendkleidung spiegelt der Chor das Publikum. Das Märchen um die Eisprinzessin entspinnt sich dazwischen, auf einem schmalen Steg unter dem Portal. Dann und wann tollen Clowns und Akrobaten vorüber: Die stampfenden Rhythmen, die schrillen, lauten Töne, die in dieser Oper eine so große Rolle spielen (und die Thomas Søndergård mit der Hofkapelle mehr zu genießen scheint als die sanften, leisen) und das farcenhafte Trio Ping-Pang-Pong haben Marco Arturo Marelli wohl dazu ...
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Opernwelt April 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Wiebke Roloff
Mahlers Sinfonien erzählen Geschichten. Geschichten, derer sich das Tanztheater längst bemächtigt hat. Auch Bremens Leitender Regisseur Benedikt von Peter und seine Mannschaft scheinen von diesem Ansatz auszugehen, kommen aber bei Mahlers Dritter zu Ergebnissen, die eher im Bereich des Abstrakt-Assoziativen liegen und den Zuschauer mit einer Unzahl zufällig...
Ein Neuanfang ist das nicht, auch kein Abbiegen auf un-bekanntes Terrain. Giacomo Puccini und Christian Thielemann, die beiden kennen sich. 2003 dirigierte Thielemann, damals noch GMD der Deutschen Oper Berlin, eine konzertante «Suor Angelica» an seinem Haus. Ein Jahr später folgte dort «La fanciulla del West», inszeniert von Vera Nemirova. Mehr Italienisches war...
Schon die ersten Takte der Ouvertüre, von der Hofkapelle München unter dem Energiebündel Michael Hofstetter markig musiziert, reißen den Hörer in die Welt des Sächsischen Hofes von 1742 hinein. Das ist berauschend feurige Musik, die Spaß macht. Und sie kann nicht nur die Muskeln spielen lassen, sondern im dritten Satz der Eröffnungs-Sinfonia, einem höfischen...
