Die Hölle, sie ist immer schon da
Am Ende bleibt der übrig, den man sonst gern übersieht: In Tatjana Gürbacas furioser Antwerpener Neudeutung des «Holländer»-Stoffes rappelt sich nach dem irrwitzigen finalen Höllentrubel im zuckenden Stroboskop-Licht nur Erik wieder auf, um stolpernd und schwankend dem Schlachtfeld zu entkommen, auf das alle anderen wie entseelt niedergesunken sind.
Gelingt ausgerechnet ihm der Neuanfang nach dem Desaster, findet er den Ausweg aus der Hölle? Ist er der einzige Überlebende des Weltuntergangs?
Gürbacas zweite «Holländer»-Inszenierung lässt diese letzten Fragen bewusst im Raum stehen. In den gut 180 atemlosen Minuten zuvor gelingt es ihr, eine Logik der Apokalypse zu erzeugen, wie man sie zwingender selten sah. Dieser Sog reißt alle mit: den sich großbürgerlich gerierenden Kleinbürger Daland ebenso wie dessen heruntergekommene, geldgeile Meute samt ihrer berechnenden Frauen; ja selbst die schwärmerische, totverliebte Senta. Erik aber, der für gewöhnlich eher langweilt mit seinem Gegreine nach Senta und stillem Eheglück, findet heraus aus dem Dilemma. Triumph des wohltemperierten, einigermaßen charakterfesten Bürgers? Möglich. Auf jeden Fall irritierend.
Bei ihrem ersten «Holländer» ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Regine Müller
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