Zum Herzen
Das größte Kompliment, das Mozart je einer Sängerin machte, galt der von ihm nicht nur als Gesangskünstlerin angehimmelten jungen Aloysia Weber: Sie habe die für sie komponierte Konzertarie «Non sò d’onde viene» KV 294 mit genau jenem Geschmack (gusto), jener Methode (metodo) und jenem Ausdruck (espressione) gesungen, die er sich gewünscht habe.
Von Gesangstechnik ist hier nicht die Rede, sie galt Mozart als selbstverständliche Voraussetzung des Vortrags der Musik, für den das Wissen um die richtige Gestaltung sowie die Einbeziehung von Verzierungen und vor allem leidenschaftliche Hingabe zentral waren.
Mozarts Lobpreis auf Aloysia Weber kam mir in den Sinn, als ich das jüngst erschienene Album mit Mozart-Arien der jungen Schweizer Sängerin Regula Mühlemann hörte. Bekannt wurde sie als Ännchen in Jens Neuberts «Freischütz»-Verfilmung (2010). Die Anmut ihres Spiels und die Natürlichkeit ihres Singens begeisterten Zuschauer und Kritiker gleichermaßen; sie öffneten ihr die Tore zu einigen großen Opernhäusern, in denen sie aber zunächst in kleinen Rollen wie Barbarina oder Papagena auftrat.
Bisher ist Regula Mühlemann eine «seconda donna». Jetzt präsentiert sie sich mit einer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: CD des Monats, Seite 29
von Thomas Seedorf
Pallas Athene hat noch immer allen Grund zu weinen. Denn dass die Welt aus den Fugen zu geraten droht, beweist auch die erneute Hausse des Populismus: Hass-Postings statt durchdachter Argumente; impulsives Massengeschrei statt individueller Vernunft. Als Ernst Krenek in der ersten Hälfte der 1950er-Jahre an «Pallas Athene weint» schrieb, schien die braune...
Herr Gardiner, von Ihrem Kollegen Nikolaus Harnoncourt stammt der Satz: «Bei ‹historisch informiert› wird mir schlecht!» Wie sehen Sie das?
Ganz ähnlich. Harnoncourt war ein großartiger Mensch und ein großer Pionier. Es gibt für das, was wir tun, keinen Titel, den ich wirklich passend finde. Ich habe mich nie als Spezialisten verstanden. Aber schwerer zu ertragen...
Auch 2016 stehen wieder drei Raritäten auf dem Spielplan des Wexford Festivals. Die erste dürfte CD-Afficionados längst bekannt sein: Félicien Davids «Herculanum» kam letztes Jahr in einer Edition des Palazzetto Bru Zane auf den Markt (siehe OW 11/2015). Uraufgeführt wurde das Stück 1859 in Paris – als einzige Grand Opéra eines Komponisten, an den man sich heute...
