Die Frau vom Meer
Es war ein schöner Traum. Kulturhauptstadt Europas 2010, das klang in der Tat hochheilig ernst und erhaben. Aber darum ging es den Görlitzern gar nicht. Jedenfalls nicht in erster Linie. Weit mehr noch, nämlich kulturpolitisch und psychologisch essenzieller, hätte der Zuschlag des Titels die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches bedeutet, wäre er historisches Ereignis genannt worden: eine Stadt direkt an der Grenze zwischen Ost und West, Schnittstelle par excellence, Stätte wechselvoller Geschichte(n). Doch es sollte nicht sein. Wie man weiß, siegte Essen. Der Ruhrpott.
Es war eine knappe Entscheidung. Görlitz zeigte sich nach dem für viele Beobachter überraschenden Votum als guter Verlierer. Doch der Schmerz, so und nicht anders angekommen zu sein in der Realität, war nicht zu verbergen. Und irgendwie vermeinte man ein Seufzen zu hören, das durch die ganze schöne alte Stadt wanderte, bis zum Fluss.
Die Parallelen sind evident. Nur ist es nicht Realität, die sich ereignet, sondern Kunst. Eine Oper. Selten gespielt, viele kennen sie höchstens vom Namen – dem ihres Schöpfers. Nach wie vor zählt Bohuslav Martinu zu den am meisten unterschätzten und am wenigsten aufgeführten ...
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An diesen Basler Start wird man noch eine Weile denken. Kaum dass die Aufführung von Sergej Prokofjews «Liebe zu den drei Orangen» fünf Minuten alt war, brach Armin Jordan an jenem Pult zusammen, an dem er von 1971 bis 1989 als Chef gewirkt hatte und jetzt nach siebzehn Jahren erstmals wieder erschienen war. Vier Tage nach diesem Saisoneröffnungsabend des neuen...
Die Dramaturgie des Skandals folgt einem (fast) immer gleichen Muster: Da ist zunächst ein casus belli, der Schockwellen öffentlicher Erregung freisetzt; diese münden in einer (meist) prominent besetzten ergebnisoffenen Debatte (gut, dass wir über alles geredet haben); den Abschluss bildet eine Phase der Erschöpfung. Das Interesse erlahmt. Denn auch ein Reizthema...
Immerwährender Fall einer Selbstüberprüfung, auch einer Selbsteinschüchterung. Fällt der Name Klaus Michael Grüber, geht man stets aufs Neue in sich, gerät ins Nachdenken, ob sein heutiger Regie-Minimalismus nicht die wiedergefundene Einfachheit einer Regielegende von ehedem sein könnte. Aufs Neue indessen auch die – bei seinesgleichen zögernde – Antwort: eher...
