Didone abbandonata
Kein lieto fine. Karthago geht unter. Dido ist sich sterbend darüber im Klaren, dass ihr Fall etwas für die Geschichtsbücher sein wird. Und für die Oper natürlich. Wie oft Pietro Metastasios Libretto zu «Didone abbandonata» vertont wurde, weiß niemand genau. Rund 60-mal mit Sicherheit. Johann Adolph Hasse, ein Freund des Wiener Hofpoeten, schrieb seine Version 1842 für das Schlosstheater in Hubertusburg bei Dresden. 1770 wurde sie zum letzen Mal gespielt – und erlebte jetzt in Münchens Prinzregententheater eine glanzvolle Wiedererweckung.
Es ist eine Aufführung der Bayerischen Theaterakademie, die am bewährten Prinzip festhält: Dirigent, Orchester und Regieteam sind erfahrene Profis, die Sänger studieren noch. Was man freilich kaum hört. Theresa Holzhauser in der Titelpartie verfügt über unerschöpfliche Kraftreserven und hält bis zum Schluss eines langen, aber nie länglichen Abends durch. Valer Barna-Sabadus begehrt und bedroht sie als afrikanischer König Iarba gleichermaßen: ein schlaksiger Barbar mit Motorradkluft und Dreadlocks, der wilde Koloraturkaskaden ebenso bewältigt wie den herzinniglichen Abgesang auf Didones Reich – ein Counter-Engelsstimmchen hört man da ...
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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Stephan Mösch
Benjamin Brittens «War Requiem» erlebte seine Uraufführung anlässlich der Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung der im Zweiten Weltkrieg durch deutsche Luftangriffe (Deckname: «Unternehmen Mondscheinsonate»!) zerstörten Coventry-Cathedral. Es ist das Bekenntniswerk eines erklärten Pazifisten. Im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier wurde nun erstmals der Versuch...
Kontinent Sciarrino» betitelten die Salzburger Festspiele 2008 ihre neunteilige, dem Schaffen Salvatore Sciarrinos gewidmete Veranstaltungsreihe. An der überragenden kreativen Originalität und Potenz dieses nach Luigi Nono wohl bedeutendsten italienischen Komponisten des letzten halben Jahrhunderts bestehen heute kaum mehr Zweifel. Wer allerdings seine Werke hören...
Vielleicht Wotans Abschied? Doch das, so dachte er sich im jugendlichen Vorwitz nach einem Blick in den Klavierauszug, kann niemand spielen. Dann lieber die Standards. «O Isis und Osiris» und ein Schubert-Lied, dies dummerweise im gedeckten, profunden Sound des Vorbildes. «Herr Groissböck», tönte es da aus dem Dunkel, «welchen Lieblingssänger haben Sie denn?» «Kurt...
