Deutschstunde

Wagner: Lohengrin
Brüssel | La Monnaie

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Das sind so Einfälle ... Im Brautgemach, als für Elsa und Lohengrins Glück schon alles zu spät ist, steht in der Mitte ein Riesenwecker auf fünf nach zwölf. Die beiden nehmen dann aber die Zeiger ab, mit dem einen wird Lohengrin gleich den eindringenden Telramund erstechen. Vorher aber versteigen sie sich in einem Fundus einwandfrei deutscher Kultur. Goethe, Hölderlin, Hegel usw. Schwan auch. Es wird auch viel Hände gerungen, und es werden einmal mehr viele Koffer getragen, von denen, die Opfer dieser Düsterkultur sind.

Sie ziehen vorbei an Celans Vers an der Wand, nach dem der Tod ein Meister aus Deutschland sei. Auch in der sechsten Vorstellung war der Regisseur Olivier Py persönlich auf der Bühne erschienen, um vorab die Frage zu beantworten, warum hier die «Lohengrin»-Story mit dem Nazireich in Verbindung gebracht werden müsse: weil Wagner Antisemit war, weil er als Symbol für die deutsche Kultur genommen werden kann, weil die Nazis Wagner mochten und weil der Lohengrin selbst ein politisches Stück sei, inklusive Vision eines Germanenreichs, die noch einen Hitler inspirierte.

Daran ist nicht zu rütteln, allenfalls mag man sich wundern, dass es so prominent und so explizit ...

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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Holger Noltze

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