Der Verzauberer
Da saß er nun endlich im Ruhrtriennale-Büro und redete auf mich ein. Die Haare standen ihm vom Kopf, als wäre er gerade in einen Sonnensturm geraten. Seine dunklen Augen glänzten und ließen nicht los. Er erzählte von der unterirdischen Stadt, die sich von Duisburg bis Dortmund erstreckte, von den großen Bahnhöfen untertage und wollte dort irgendwo unbedingt ein großes Objekt aufstellen. Dieser Plan schlug fehl. Zu kompliziert, zu teuer, keine Transportwege.
Was also tun mit ihm dem Oberhausener, der direkt aus dem Revier kam? Das letzte Mal hatten wir uns in der Bayreuther Kantine gesehen. Er hatte das Schicksal aller Regisseure auf dem Hügel erlitten, als sich das dortige Establishment widerborstig auch gegen ihn stellte und seine Arbeit behinderte. Sie konnten sich eben vorher nicht vorstellen, wer er war. Wir haben dann viel telefoniert, er hat mich oft gefragt, wie man den störrischen Altvorderen Paroli bieten könne. Da hatte ich Erfahrung. In einem dieser Gespräche verabredeten wir kurzerhand, er solle bei der Ruhrtriennale arbeiten.
Wir hatten freilich alle ein wenig Angst vor ihm, seiner ungebärdigen Fantasie und vor diesem extrem starken und ehrgeizigen Willen. Kann man das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Frau Petersen, auf Ihrer neuen CD interpretieren Sie Liebeslieder von Robert Schumann – gemeinsam mit Anke Vondung, Werner Güra und Konrad Jarnot sowie den Pianisten Christoph Berner und Camillo Radicke. In dem Zyklus «Spanisches Liederspiel» op. 74 findet sich eine der wenigen Solo-Nummern: «Melancholie». Sie singen das, als ob Sie das Verzweifeln an der «Qual...
Wenn man als Operndirektor eine junge Sängerin, die im internationalen Geschäft noch keinen Namen hat, mit der Titelpartie in Puccinis «Madama Butterfly» betraut und davon überzeugt ist, dass sie diese Partie nicht nur am Premierenabend, sondern im Laufe der Saison zwanzigmal singen und spielen kann, wird einem von verschiedener Seite viel Mut zum Risiko...
Am Telefon: Placido Domingo
Herr Domingo, kommt ein Belkantotenor reinsten Wassers aus Italien?
Nein, ich bin Spanier, in Madrid geboren.
Wann und wie begannen Sie zu musizieren?
Als ich neun Jahr e alt war, befreundete ich mich mit dem Klavier. Ich wollte Dirigent werden. Auch sang ich nebenher – natürlicherweise, denn sowohl mein Vater als auch meine Mutter...
