Der Intendant hat fertig
Während vor den Bildschirmen draußen am Naschmarkt um Österreichs Fußball bei der EM gezittert wird – was auch die Besucher des «Fidelio» in der Pause mitbekommen können –, halluzinieren wir im Zuschauerraum, der Mann ein paar Plätze weiter sei ein ehemaliger Trainer von Bayern München. Nein, nein, er sieht dem Italiener bloß zum Verwechseln ähnlich. Wäre er’s, hätte er längst interveniert, «was erlauben Freyer ...!». Und vielleicht auch «Ich habe fertig».
Denn der Doppelgänger verweigert dem bildmächtigen Palimpsest auf Beethovens Oper, das Achim Freyer da im Rahmen der Wiener Festwochen auf die Bühne des Theaters an der Wien gehievt hat, eindeutig die Zustimmung.
Deutlich burlesk, das Ganze. Dramatis personae erscheinen wie Figuren einer Spieluhr auf drei Ebenen, sich drehend, Türen auf und zu, Jaquino und Marzelline, dann Rocco. Daneben Leonore/ Fidelio, und links oben Pizarro als Springteufel. Wie dunkles Grundwasser aus weichem Waldboden steigt Florestans Torso aus dem Bühnengrund. Es sind Gestalten, die nur noch durch die Zahlen auf ihren Türen dekodiert werden, die kein Gesicht haben. Masken tragende Prototypen. Mysterienspiel, Commedia dell’Arte, Nô-Theater in einem. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Gerhard Persché
ARD-ALPHA
7.8. – 11.00 Uhr
KlickKlack aus Mailand.
Mit Martin Grubinger.
7.8. – 20.15 Uhr
Internationaler Musikwettbewerb der ARD.
Rückblick auf den 57. Wettbewerb 2008.
14.8. – 11.00 Uhr
KlickKlack aus Norwegen.
Mit Sol Gabetta.
15.8. – 11.00 Uhr
Bernard Haitink dirigiert
Beethoven: Missa solemnis.
21.8. – 11.00 Uhr
KlickKlack mit Blasmusik-Spezial.
Mit Martin Grubinger.
21...
Herr Gnann, ist das Korrepetieren eine gute Schule für Dirigenten?
Für mich auf jeden Fall. Ich komme vom Klavier. An diesem Instrument kann man die Architektur einer Partitur ziemlich gut erfassen. Als Dirigent fühle ich mich wohler, wenn ich die Töne selbst in der Hand hatte, bevor ich vor das Orchester trete. Es geht dabei nicht um eine perfekte Wiedergabe,...
«L’amore metamòrfosa l’uomo in una bestia» – «Die Liebe verwandelt den Menschen in eine Bestie»: Falstaffs Selbsterkenntnis aus dem dritten Akt könnte ein Motto für die Deutung sein, mit der sich Lukas Hemleb an Boitos und Verdis schwarzer Komödie versucht hat. Ein einziges Element steht auf Alexander Polzins Bühne: ein haushoher, erratischer Felsbrocken, dessen...
