Der innere Kompass
Frau Palmer, Sie sind ja, wenn man das laut sagen darf, vor einiger Zeit 70 Jahre alt geworden – und singen immer noch!?
Ja, vielleicht liegt das daran, dass ich irgendwie etwas nachholen muss. Ich bin, wie ich leider sagen muss, viele Jahre lang fehlgeleitet worden. Wie so viele Sänger. Man denkt immer, die Lehrer wissen alles. Und irgendwann realisiert man, dass das gar nicht stimmt. Und dann muss man selbst loslegen.
Wann haben Sie selbst losgelegt?
Erst vor vielleicht zwölf Jahren. Sehr spät.
Auch davor habe ich natürlich gesungen. Ich galt als musikalisch, konnte vom Blatt lesen – und sang, wie mir der Schnabel gewachsen war. Das geht auch, sogar wenn man eigentlich grundsätzliche Probleme hat. Aber eben nur bis Anfang 40. Dann wird es schwierig.
Was war Ihr grundsätzliches Problem?
Etwas, das ich damals nicht bemerkt habe und das mir auch niemand gesagt hat: dass ich in Wirklichkeit Mezzo bin.
Eine bedeutende Lehrerin von Ihnen war die viel bewunderte Vera Rosza. Hat sie Ihnen das nicht gesagt?
Nein. Vera Rosza war eine gefährliche Frau. Sicher, sie war auch die Lehrerin von Kiri Te Kanawa und Sarah Walker. Anscheinend waren die robuster als ich. Auch Anne Sofie von Otter war bei ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Interview, Seite 30
von Kai Luehrs-Kaiser
Die Oper Köln hat zur neuen «Arabella» ein Filmchen ins Netz gestellt, in dem das kanadische Produktionsteam Barbe & Doucet (so der Firmenname) seine Absichten mit der Lyrischen Komödie von Hofmannsthal und Strauss kundtut ‒ das heißt: Eigentlich redet nur Renaud Doucet, der Regisseur, während sein Ausstatter André Barbe konsequent schweigt.
Auf der Bühne kommt es...
Das ist der Stoff, aus dem man Opernlibretti (oder Hollywood-Streifen) schneidert: Liebe und Leidenschaft bis in den Tod, Hochmut und Fall, Stolz und Vorurteil. Alles enthalten in Emily Brontës Roman «Wuthering Heights», der beim Erscheinen 1847 durchaus auf Widerspruch stieß, aber längst zum Kanon der englischen Literatur zählt.
Ein gutes Jahrhundert später machte...
Ein bisschen «heile Welt» will er an den Grienericksee zaubern, der Neue. «Reine Schönheit» suchen auf Schloss Rheinsberg, wo einst der junge Friedrich mit den Musen flirtete. Im Park und in dem zurückgewonnenen Theaterhäuschen des Preußenprinzen Heinrich. Seit Herbst 2014 leitet Frank Matthus die Kammeroper, jene Sommerwerkstatt für den Sängernachwuchs, die sein...
