Der Don-Juan-Komplex

Wien, Mozart: Don Giovanni, Schulhoff: Flammen, Højsgaard: Don Juan kommt aus dem Krieg

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«O Gott! Wer ist dieser Mann?», fragt Isabella im Tirso de Molina zugeschriebenen, doch vermutlich von An­drés de Claramonte verfassten «El Burlador des Sevilla». Die Antwort kommt präzise wie ein Dolchstoß: «Wer ich bin? Ein Mann ohne Namen.»
Ohne Namen, ohne (persönliche) Eigenschaften – eher provokante Spiegelung der jeweiligen gesellschaftlichen Situation. Don Juan 1787 bei Mozart: ein Typ der heraufziehenden Romantik, der die Fesseln der klassischen Form sprengt, um sich ganz der Ich-Emo­tion hinzugeben.

Der Don Juan der 1920er Jahre, in Schulhoffs «Flammen»: ein Existenzialist mit Nachwehen aus Freuds und Jungs Ära, der den Tod (in weib­licher Form: La Morte) als letzte Erfüllung sucht. Der Juan von 1936, in Ödön von Horváths «Don Juan kommt aus dem Krieg» (Ende des 20. Jahrhunderts von Erik Højsgaard in Musik gesetzt): Symbol der Sehnsucht nach einer Konstanten in Zeiten bedrückender Unsicherheit. Wieder ein «Don-Giovanni-Komplex», diesmal in Form von drei einander verbundenen Produktionen des Wiener Klangbogens: «Don Giovanni» und «Flammen» im Theater an der Wien (herausgebracht vom gleichen Leitungsteam, dem Dirigenten Bertrand de Billy, dem Regisseur Keith Warner und der ...

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Opernwelt September/Oktober 2006
Rubrik: Panorama, Seite 67
von Gerhard Persché

Vergriffen
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