Deprimierend brav
René Pape als bewegender Gurnemanz, Angela Denoke als verstörend-schizophrene Kundry und Willard White als beherrschter Klingsor – drei eindrucksvolle Sängerdarsteller in subtil gestalteten Rollenporträts glänzen am Royal Opera House von Covent Garden in Richard Wagners «Parsifal». Antonio Pappano am Pult tastet sich zunächst etwas schwerfällig durch die Partitur, erst im dritten Akt findet er zu einer erleuchteten, beherzt ausformulierten Spiritualität.
Die zeitgenössische Regie hat oft Mühe mit den epischen Dimensionen dieses Bühnenweihfestspiels, reduziert den Stoff gern auf Amfortas’ jammervolles Leiden und bekundet ihr Unbehagen gegenüber der faschistoiden Gralsritterschaft. Auch Stephen Langridge baut seine Neuinszenierung um das Krankenbett des verwundeten Königs und spart nicht an medizinischen Details. Die Ausstattung und Kostüme von Alison Chitty kommen im Sechzigerjahre-Look daher, graue Anzugträger allenthalben. Metallstühle und hoch aufragende Baumstämme flankieren die Bühne. Im Zentrum steht ein Kasten mit lichtdurchlässigen Schiebetüren, Tableaus illustrieren nicht nur Amfortas’ Qualen, sondern auch Klingsors Selbstkastration. Insgesamt ist die Inszenierung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Tom Sutcliffe
Erst die banale Wahrscheinlichkeit und dann – neuer Anlauf – die Utopie, das gehoben-idealistische «Schön wär’s». «Fidelio» hat in Zürich einen dramatisch hereinplatzenden Vorspann. «Er sterbe», faucht Don Pizarro im Quartett des zweiten Akts. Im Handgemenge ein Schuss. Leonore ist tot. Wie angegossen der Sprung ins letzte Drittel der Leonoren-Ouvertüre Nr. 3. Mehr...
Nicht ein Kreuz ist es, das sich mahnend erhebt. Ein ganzer Haufen Kruzifixe quillt aus dem Hintergrund. Eine Halde oder eine weiße Hecke, die Leonora Schutz bietet vor der Unbill der Welt, besonders vor ihrer seltsamen Familie. Doch hat sich Anja Harteros herausgearbeitet zu Verdis drängelnden Rhythmen und erobert sich ihr erstes «Pace» mit betörender messa di...
Ein Torso. Die Geschichte eingedampft. Der Mythos gerupft. Zugespitzt, radikal kenntlich gemacht, sagen die Autoren. Für einen wie Ödipus kann es kein Erbarmen geben, keine Heilung und keine Himmelfahrt. Für einen, der, von verborgenen Mächten getrieben, den Vater tötet und die Mutter ehelicht, kann es nur die Erkenntnis geben, dass die Welt finster ist und der...
