Debüt
An Giuseppe di Stefano, Carlo Bergonzi oder Alfredo Kraus sollte man nicht denken, wenn Juan Diego Flórez (42), von schreckensschwarzen Chorrufen bedrängt, am Gran Teatre del Liceu in Barcelona zum ersten Mal Lucia in den Bühnentod folgt. Elena Mosuc, bzw.
ihr Stuntfrau-Double, ist in der aus Zürich übernommenen «Lucia di Lammermoor» des Pereira-Schützlings Damiano Michieletto gerade vom schiefen Glasturm gesprungen (und hat uns endlich von einer so grotesk manierierten wie zerdehnten Orgie vokaler Selbstbeweihräucherung erlöst), da spreizt seine (noch) angespannte Edgardo-Stimme ein letztes Mal die federleichten Wohlklangschwingen, um der Geliebten entgegenzufliegen: «Tu che a Dio spiegasti l’ali». Entschlossen, in klaren Linien und plastischer Phrasierung absolviert Flórez das Rollendebüt. Doch, auch das klingt – selbst in der siebten Dezember-Vorstellung – durch: Die heroischen Anteile der Partie kosten dem tenore di grazia, der seinen Radius bereits als Verdis Duca zu erweitern suchte und demnächst als Massenets Werther antritt, (noch) viel Kraft. Von jener aus dem Vollen schöpfenden, frei fließenden Natürlichkeit jedenfalls, die seine Vorgänger auszeichneten, ist Flórez (noch) ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Albrecht Thiemann
Es gab eine Zeit, da schlug kein Star am Wagner-Himmel eine Gelegenheit zum Auftritt in Buenos Aires aus. Lotte Lehmann, Lauritz Melchior, Birgit Nilsson oder Wolfgang Windgassen – sie alle gastierten am Río de la Plata. Heute scheint das kaum mehr vorstellbar. Auch wenn sich das Teatro Colón inzwischen wie die Gralsgemeinschaft im «Parsifal» zu erneuern sucht –...
Nicht selten kommt man durch etwas ganz anderes ins Gerede als durch sein eigentliches Talent. Als Beispiel sei der Stinkefinger des Fußballers Stefan Effenberg erwähnt. So etwas wie einen visuellen Stinkefinger hat man auch dem russischen Bariton Evgeny Nikitin untergeschoben, in Form einer Swastika, die er sich als Schlagzeuger einer Heavy-Metal-Rockband auf die...
In der Kürze liegt die Würze, meint das Sprichwort. Die Engländer sagen’s ebenso prägnant, schließlich ist Shakespeare der Urheber der Wendung: «Brevity is the soul of wit», weiß Polonius in «Hamlet». Händel muss das Prinzip gekannt haben, als er seine Oper «Partenope» schrieb, die 1729 im King’s Theatre, Haymarket, uraufgeführt wurde: An Stelle von langwierigen,...
