Das Orchester spricht
«Farbenfroh, frisch und humorvoll» – diese Charakterisierung klingt ein bisschen nach Werbetext. Ist es in gewisser Weise auch, denn das Zitat stammt aus dem Booklet und bezieht sich auf die Inszenierung des Briten Nigel Lowery, der für eine Koproduktion von Berliner Staatsoper und Innsbrucker Festwochen Haydns «Orlando Paladino» auf die Bühne gebracht hat. Genauso gut könnte es heißen: «zwangskomisch, überdreht, klamauknah».
Unter dem Strich ist diese Aufführung mit ihren gewollten Possierlichkeiten und Munterkeiten nicht schlüssig, auch wenn die punktgenaue Kameraführung manche Regung der Figuren plausibel zu machen versucht.
Sängerisch ist das Niveau höher, wenngleich bei Weitem nicht vollkommen. An der Spitze steht die Differenzierungskunst von Marlis Petersen als Angelica, die mal ihre
lyrischen Fähigkeiten ausspielt, mal mit der erforderlichen Verve überzeugt (vgl. auch OW 7/2009). Neben Tom Randles waldschratigem Orlando ist es vor allem Alexandrina Pendatchanska, die der Alcina Leben einhaucht. Gerade in der Tiefe verfügt sie über ein Ausdrucksvermögen, um das sie manche Kollegin beneiden dürfte. Ihre stimmliche Präsenz, die Klarheit ihrer Tongebung, gepaart mit Mut zum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Was dem Ballett recht ist, ist der Oper billig. So werden sie sich im Baden-Badener Festspielhaus denken. In der Tat, die Choreografien eines Bournonville, eines Petipa oder Fokin werden nach mehr als einem Jahrhundert noch neu einstudiert. Die Baden-Badener Richard-Strauss-Pflege verfährt ähnlich: Nach dem Salzburger «Rosenkavalier» (1995) des 2002 verstorbenen...
Abgebrannt ist die Opéra Royal de Wallonie zwar nicht, aber das Stammhaus in Lüttich muss nach offiziellen Angaben über mindestens zwei Jahre saniert und renoviert werden. Deshalb spielt man seit Saisonbeginn in jenem Theater-Zeltpalast, mit dem Venedig den Wiederaufbau von «La Fenice» überbrückt hat – immerhin acht Jahre lang. Skeptiker prognostizieren für die...
Rund zwanzig Jahre lang blühte im barocken Bayreuth die Hofmusik. 1737 wurden die ersten Musiker verpflichtet, 1756 marschierte Friedrich II. in Sachsen ein, der Siebenjährige Krieg begann. Zwei Jahre später starb Wilhelmine, seine Schwester: jene Frau, der der Aufschwung in der markgräflichen Provinz zu verdanken ist. In ihrem neuen Buch beleuchtet Sabine...
