Das Glück des Augenblicks
Die Neuinszenierung von Frank Hilbrich bestätigt es: Die scheinbar leichte, heute etwas bemüht-brillant wirkende «Jazz-Oper» von 1927 ist nicht leicht zu realisieren. Mit ihr huldigte der blutjunge Avantgardist Ernst Krenek dem Zeitgeist der Goldenen Zwanziger – der Wagnerismus, dem noch Strauss und Schreker mit ihren lyrischen Musikdramen beseelt gefolgt waren, galt als überwunden. «Mahagonny» und die «Dreigroschenoper» grüßten schon vorab. Die Nazis erklärten den gefeierten und hundertfach gespielten «Jonny» für «entartet» und verboten ihn.
Ernst Krenek, Wiener des Jahrgangs 1900, wollte etwas unverblümt Freches auf die Beine stellen: «Ich ersann eine lebhafte und spannende Handlung», bemerkte Krenek lapidar. «Zeitoper» nannte man das damals, und doch erfand der Komponist mit seinem selbstverfassten Libretto eine durchaus konventionelle Personendramaturgie in alltagsbanalen Umgebungen: Es gibt zwei Paare – ein ernstes, der Komponist Max und die Opernsängerin Anita, sowie ein lustiges, der farbige Jazzgeiger Jonny und das Stubenmädchen Yvonne. Vier Personen werden durch die amourösen Machenschaften des Violinvirtuosen Daniello und den verführerischen Glanz seiner kostbaren ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Wolfgang Schreiber
Am 8. Juli 1947 notiert Thomas Mann in seinem Tagebuch, er habe ein «Neues, langes Schreiben von Furtwängler» erhalten und kommentiert lapidar: «töricht». Der Schriftsteller reagiert mit Schweigen.
Worum geht es? Im Mai 1947 kehrt Wilhelm Furtwängler nach seiner Entnazifizierung ans Pult der Berliner Philharmoniker zurück. Gleichzeitig befindet sich Mann, aus dem...
Peter Konwitschny ist mit Johann Sebastian Bach groß geworden. Weil sein Vater Franz von 1949 bis 1962 Gewandhauskapellmeister war, wuchs er in der Bach-Stadt Leipzig auf. Viel später, an der Oper, wo er von 2008 bis 2011 Chefregisseur war, begann er, sich die Kantaten vorzunehmen: «Ich habe genug» war 2009 die erste, 2010 folgte «O Ewigkeit, du Donnerwort» (BWV 60...
Diese Salzburger Werke-Ambition klingt nach ihm. «Jonny spielt auf», «Pilger von Mekka», «Eugen Onegin», «La clemenza di Tito»: Das hätte einst auch Gerard Mortier zu einer Sommersaison zusammenschnüren können. Doch verantwortlich dafür sind andere. Jene, die sich gegen die übermächtigen und ständigen (ob im Januar, zu Ostern, Pfingsten oder im August)...
