Das fühlende Herz
Der Schritt, den Diana Damrau auf ihrem zweiten Soloalbum macht, ist kühner, als es auf den ersten Blick aussieht. Denn obwohl Mozart schon im Zentrum ihres CD-Debüts gestanden hatte, proklamiert die gefeierte Königin der Nacht nun ihren Anspruch auf einem Terrain, auf dem sie mit den Kronjuwelen ihres Koloratursoprans wenig ausrichten kann: Bei Elvira, Vitellia und der Figaro-Gräfin sind die dunkleren Farben von Seelenschmerz und Melancholie gefragt, die Damrau nur sehr begrenzt zur Verfügung stehen. Ein verlorenes Spiel, sollte man meinen – und wird prompt eines Besseren belehrt.
Denn fast durchweg gelingt Damrau der Nachweis, dass diese Mozart-Frauen durch eine leichtgewichtigere Darstellung keineswegs an Tiefgang verlieren, sondern im Gegenteil an Jugendlichkeit, aber auch an Zerbrechlichkeit gewinnen. Ihre Pamina ist ein echtes Mädchen, dass die Liebe dahinschwinden sieht, noch ehe sie mehr als eine Ahnung von ihr bekommen hat, ihre Gräfin ist nur durch Schicksalslaune zu etwas Besserem geworden als ihre Zofe Susanna. Natürlich kann Damrau im langsamen Teil von «Dove sono» nicht mit den edel betörenden Tönen einer Kiri Te Kanawa oder Margret Price aufwarten, doch sie ...
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