Comedy mit Köpfchen
Einer fegt. Gegen Ende der neuen Zürcher «Zauberflöte» kehrt jemand den letzten Rest Reisig zusammen, der die Szene noch verunzierte: Ordnung, Sauberkeit, Kultur, wo lange Natur, Wildnis, Urzustand herrschten. Aufgeräumtheit, wo vorher abgeholztes Gestrüpp herumlag. Licht, wo bis dato Feuer war. Und das von Bühnenbildner Klaus Grünberg zentral platzierte Haus, das dank Drehbühne immerzu von allen Seiten zu sehen ist, präsentiert sich nicht mehr wie eine vom Pleitegeier befallene Baustelle.
Es ist fertig, hat statt Luken richtige Fenster mit trauten Lämpchen dahinter, und Sarastros Auserwählte frönen, jeweils selbzweit, der heimeligen Gemütlichkeit. Wir haben es anscheinend mit dem Domizil der Weisheit, des Verstandes, der Vernunft zu tun. Gewiss, nicht alle Spuren einer unguten Vergangenheit mit Arroganz und Willkür der herrschenden Kaste, mit Rassismus und Frauenfeindlichkeit sind getilgt, aber man ist unterwegs. Ein Schritt hin zur Aufklärung ist getan.
Der vergleichsweise junge Sarastro mit seinen Planzeichnungen ist der Architekt dieses Neubaus. In Joppe, Pullover, mit offenem Hemdkragen (Kostüme: Silke Willrett) erscheint er als nachdenklicher Mensch, als einer, der auf ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Heinz W. Koch
Ein Gesamtkunstwerk? Ja, schon. Aber ohne den Willen zur Überwältigung. Ohne Erlösungszauber. Eher eine Mischung aus Musikzirkus, Orchesterparade, Singsprechtheater. Eine spielerische Show zwischen Bach, Brecht und Broadway, Dantes «Göttlicher Komödie» und Vergils «Aeneis». Ein Trip zwischen Kantate, Kirmes und Kino. Natürlich kennt Louis Andriessen auch seinen...
Ran an die Raritäten
Erfurt macht «Sigurd» von Ernest Reyer, Osnabrück Manfred Gurlitts «Soldaten» und Oldenburg Mieczyslaw Weinbergs «Der Idiot». In Frankfurt gibt’s Antonio Cestis «L’Orontea», in Paris André Campras «Les Fêtes venitiennes» – der nächste Monat bringt Randständiges im Überfluss.
Wahn, Wahn, Wahn
Diana Damrau singt an der Bayerischen Staatsoper eine...
Das Geschäftsmodell hat damals gar nicht schlecht funktioniert. Komponist und Librettist konzipierten eine Huldigungsoper, bezahlen musste sie der Adressat beziehungsweise der diplomatische Vertreter, der gerade in Hamburg ansässig war. Auf diese Weise kam auch 1702 am Gänsemarkt Reinhard Keisers «Sieg der fruchtbaren Pomona» zur Uraufführung. Man feierte den 31....
