Chiffren des Unverfügbaren
Selbst in einer so musikliberalen Stadt wie Frankfurt am Main geht eine Lachenmann-Premiere nicht ganz ohne Buhs ab. Natürlich gab es im Vorfeld der Aufführung auch jenen konservativen Opernhabitué, der wütend um sich herum zu agitieren versuchte und wieder einmal die «unverantwortliche Verschleuderung von Steuergeldern» bemühte (womit er beim Schreiber dieser Zeilen gerade an die richtige Adresse kam).
Von derlei zum Glück nur mehr skurrilem Gefletsche ließ sich Opernchef Bernd Loebe gewiss nicht beeinflussen, wenn er das schon lange geplante Projekt «Mädchen mit den Schwefelhölzern» etliche Jahre hinausschob. Eine gründliche, überzeugende Arbeit sollte vorgelegt werden, und diese bedurfte einer ungewöhnlich aufwändigen Vorbereitung. Benedikt von Peters Lösung, das erratische Werk in einem weidlich «umgebauten» Theaterraum en suite mit sieben Abenden am Anfang der Spielzeit zu platzieren, war selbstverständlich eine organisationstechnische Herausforderung.
Wie kaum anders zu erwarten, gab es keine Guckkasten-Optik. Natascha von Steigers Raumkonstruktion bezog den unteren Teil der Bühne als Publikumsbereich ein. Darüber thronte tribünenartig der Großteil des Orchesters mit dem wie ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Hans-Klaus Jungheinrich
Wieder ertönt das weiße Rauschen mit diesem dröhnenden Brummen. Eine aus der Gruppe von acht Leuten, die sich bis hierhin brav von Raum zu Raum bewegt hat, stößt eine Klapptür auf, wir folgen, verharren in einer Schleuse (das Dröhnen!), gelangen auf ein Zeichen durch die nächste Tür in eine Art Wartezimmer. Kitschige Tapetendrucke, ein Zimmerbrunnen spült klares...
Das Hauptstück zum Spielzeitauftakt der Hamburgischen Staatsoper und zum Antritt von GMD Kent Nagano sollten die «Trojaner» werden. Doch Intendant Georges Delnon hatte den Start im großen Haus mit zwei weiteren Premieren und einer Lichtskulptur flankiert, die den Berlioz-Abend in den Schatten stellten. Ein wahrer Knüller war die jüngste Arbeit der Stuttgarter...
Hindemiths später Einakter «Das lange Weihnachtsmahl» nach Thornton Wilder, 1961 in Mannheim uraufgeführt, fristet ein Mauerblümchendasein. Aufführungen gibt es, wenn überhaupt, nur an der Peripherie – wie nun im Rahmen des Sommerfestivals Jardins musicaux in Cernier. Das Dorf liegt fünfzehn Autominuten hinter Neuchâtel in einer Senke zwischen zwei Jurafalten der...
