Cavalieris «Rappresentazione di Anima et di Corpo» in Berlin
Schwarz ist Achim Freyers Welttheaterbühne, und schwarz sind die allegorischen Menschenwesen, die er im Schiller Theater, dem Ausweichquartier der Berliner Staatsoper, versammelt hat. Lebende Schachfiguren, die auf schräger Ebene Schicksal spielen. Es geht, wie (fast) immer bei diesem Kunstpriester mit der staunenden Kinderseele, um letzte Dinge: Himmel und Hölle, Leben und Tod, Anfang und Ende der Schöpfung.
Den dunklen Geist der katholischen Restauration, dem Emilio de’ Cavalieri in seiner zum Heiligen Jahr 1600 komponierten oratorischen Handlung «Rappresentazione di Anima et di Corpo» huldigte, hält Freyer uns freilich mit sternfunkelnder Zirkusmagie vom Leib. Eineinhalb Stunden scheint die Zeit angehalten, auf jenen ewigen «Uranfang» zurückgestellt, über den man nur in Rätselbildern und in der Sprache der Musik fabulieren kann. An den Seiten und ganz hinten kauern die Instrumentalisten der Akademie für Alte Musik, dazwischen Mitglieder des Staatsopernchors, Pantomimen und die Solisten – Marie-Claude Chappuis als vokal im frühbarocken Umfeld etwas heimatlose Anima, Johannes Weisser als pfeilwunder Corpo (Foto) mit edel leuchtendem Passionsbariton oder der basstrunkene Marcos ...
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Opernwelt August 2012
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Albrecht Thiemann
Alles läuft gleichzeitig. Drinnen fantasiert Wolfgang Rihm mit Nietzsche über Nietzsche; draußen animiert ein Shaolin-Mönch zum Tai Chi. Wenn das Publikum der Berliner «Dionysos»-Premiere aus dem Schiller Theater in die sommerschwüle Pause strömt, sind die Exerzitien auf dem Vorplatz bereits in vollem Gang. Jeder kann mitmachen. In der Schiller Werkstatt lassen...
Vor dem Eingang zur Pariser Opéra Comique stehen sie seit 1898 Seite an Seite, in Stein gemeißelt, überlebensgroß: Carmen und Manon, jene beiden Frauen, die nach den Worten des legendären Impresarios Albert Carré «die zwei Meisterwerke dieses Hauses und der französischen Musik» repräsentieren.
Ist es Manons Schuld, wenn heute Carmen die Spielpläne dominiert? George...
Am Flaucher, südlich der Innenstadt, dort, wo das Isarbett tagsüber von Sonnenmilchduft und abends von Grillschwaden verwabert wird, da gehört so etwas dazu. Auch im Englischen Garten, am Eisbach, muss nahtlose Bräune sein. Doch München nackert, sanktioniert von allerehrwürdigster Kulturinstanz, das ist neu. Was für ein schräger Festspiel-Auftakt, medial gefeiert...
