Britannien, frankophil
Der Brief, den Francis Poulenc 1958 zu «La Voix humaine» an Hervé Dugardin c/o Ricordi Paris sandte und den Benjamin Ivry in seiner Biografie des Komponisten zitiert, ist keinesfalls jugendfrei. Die Musik, schreibt Poulenc, sei an manchen Stellen «unglaublich erotisch, sie riecht nach Sperma, nach zwischen den Schenkeln». Und die Protagonistin, «Elle», sei im Grunde er selbst. Trotz dieses Bekenntnisses des homosexuellen Komponisten, der «La Voix» nach dem Schauspiel eines anderen Gay, Jean Cocteau, schrieb, ist es Unsinn, das Ganze als verkapptes Schwulendrama zu sehen, meint Ivry.
Das Stück war ursprünglich für die Callas gedacht (die allerdings nicht anbiss), «nicht für Cocteau oder Poulenc in drag, in Frauenkleidern ...»
Es geht bekanntlich um eine Frau, die am Telefon um ihren Geliebten kämpft, der das Verhältnis beenden will. Natürlich gibt es da Parallelen zu Poulenc, lebte er doch während der Komposition des Stücks in ständiger Angst davor, von seinem damaligen Freund verlassen zu werden. Er war sechzig, als er «Voix» komponierte, und dieses biografische Detail dient in der vorliegenden Aufnahme als Rechtfertigung, «Elle» von einer älteren Sängerin singen zu lassen, wiewohl ...
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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Gerhard Persché
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