Bolzenschuss
Giacomo Puccinis «Tosca» gehört zu den ziemlich unverwüstlichen Opern, überlebt Regiequark und szenische Monstrositäten, egal ob Zeffirelli oder einen Ben-Willikens-Betonbunker, stimmt nur die Besetzung und waltet im Graben ein Dirigent mit Theaterblut. Zutaten, mit denen sich Repertoireaufführungen, aber auch Festspiele bestreiten lassen. In Baden-Baden haben die Berliner Philharmoniker im fünften Jahr Osterresidenz genommen. Vor 29 Jahren hat das Orchester zuletzt «Tosca» gespielt, unter Karajan war’s, auch bei Osterfestspielen, den originalen damals in Salzburg.
Es müssen traurig-matte Abende gewesen sein, selbst die Rezension von Joachim Kaiser war mit «todlangweilig» betitelt. Was der Kritiker wohl zur «Tosca» von Simon Rattle, seiner ersten, gesagt hätte?
Manchmal entscheidet eine Fermatenpause über das Ganze: in diesem Fall zu Beginn die Zäsur, welche die Scarpia-Akkorde von Angelottis Fluchtmusik trennt. In der kompositorischen Konzeption ein Gedankensprung, nach späterer ästhetischer Kategorie ein Filmschnitt, mehr nicht. Rattle hält inne, stoppt den Energiestrom, setzt nach dem Andante molto sostenuto für das Vivacissimo non violenza neu an. Das unterminiert den ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Götz Thieme
Wir stellen uns die Szene vor. Ein Mensch, einsam beschwert, in der Natur. Schwere Wolken über ihm, neben ihm, in ihm. Er weiß, die Wanderung, die er antritt, wird ihn auf eine Straße bringen, «die noch keiner ging zurück». Und so marschiert er los, ein Riesengepäck auf seiner Seele – aber auf samtenem Klangpfade. Bereits die ersten silbrig-verhangenen Töne der...
Der Name klingt lustig, irgendwie nach einer Dose für Lutschbonbons. Tatsächlich aber ist eine Dropbox ein externer Datenspeicher. Jochen Schönleber, Intendant der Rossini-Festspiele in Bad Wildbad, war so unklug, an einem solchen Aufbewahrungsort im Netz lose gereihte Sätze, Satzfetzen, einzelne Wörter abzulegen, die, wie er selbst sagt, für niemanden außer ihn...
In Bayreuth wird 2018 «Tristan und Isolde» zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten wieder auf Deutsch gesungen. Das können Sie nicht glauben? Sollen Sie auch nicht – für einmal wirklich «fake news»! Frei erfunden, um die Absurdität einer ganz und gar nicht erfundenen Nachricht zu verdeutlichen: Die Pariser Opéra bringt im Oktober 2017 «Don Carlos» erstmals nach 31...
