Bodenständig, aber ständig unterwegs
Aufmerksame «Opernwelt»-Leser werden sich erinnern: Das Nationaltheater Mannheim hat in der Kritikerumfrage nach dem «Opernhaus des Jahres» 2013 einen starken zweiten Platz belegt, Mieczyslaw Weinbergs Dostojewski-Oper «Der Idiot» teilte sich damals in der Rubrik «Uraufführung des Jahres» den ersten Platz mit George Benjamins «Written on Skin». Und im vergangenen Jahr lag Mannheim bei den Kritikervoten mit Adriana Hölszkys Oper «Böse Geister», wieder auf eine Dostojewski-Vorlage, gleich zweimal vorn – mit der «Uraufführung des Jahres» und mit dem «Chor des Jahres».
Dennoch kommt die diesjährige Wahl zum «Opernhaus des Jahres» überraschend. Das Nationaltheater gehört nicht zu den von der großstädtischen Kritik hofierten Häusern und schon gar nicht – wenn man vom Nostalgie-«Parsifal» aus dem Jahr 1957 einmal absieht – zu jenen Kultstätten des Operntourismus, zu denen Alt-Wagnerianer und Regietheater-Verächter aus ganz Deutschland pilgern. Selbst im Bundesland Baden-Württemberg rangiert das Nationaltheater in der überregionalen Wahrnehmung hinter den ungleich besser dotierten Staatsopern in Stuttgart und Karlsruhe – eine Einschätzung, die selbst die Lokalpresse teilt.
Dass in Mannheim ...
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Opernwelt Jahrbuch 2015
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 18
von Uwe Schweikert
Etwas vom Besten, was Pascal Dusapin der Welt geschenkt hat, ist seine Klanginstallation «Mille plateaux», die 2014 bei den Donaueschinger Musiktagen vorgeführt wurde. Wer dieses audiovisuelle Kunstwerk aufsuchen wollte, musste eine Art Licht-Schleuse passieren und gelangte dann in einen rabenschwarzen Raum, wo ihn das Brausen eines mal stärkeren, mal schwächeren...
Christian Gerhaher gelingt als Monteverdis Orfeo in David Böschs Inszenierung am Münchner Prinzregententheater «die stufenlose Entwicklung des Klangs aus der Sprechstimme, ... das überlegte und überlegene Nuancieren, auch das heldische Zupacken: Mit einem Suchen nach barocker Phrasierungspraxis hat das weniger zu tun, sondern ... mit Wahrhaftigkeit» (OW 9-10/2014)....
Wenn man Elena Sancho Pereg auf der Bühne der Düsseldorfer Rheinoper erlebt, vergisst man fast, dass sie singt. Zuallererst wird man gebannt von ihrem Spiel, ihrer faszinierenden Erscheinung. Erst dann registriert man die Qualität ihrer Stimme. In der Theaterwelt bezeichnet man eine solche Ausnahmebegabung auch als «Bühnentier». Der Begriff bezeichnet sehr treffend...
