Bloß keine Schicksalswolken

Die Berliner Philharmoniker widmen sich in Baden-Baden Puccinis «Manon Lescaut»Seit einer «Tosca» unter Herbert von Karajan haben die Berliner Philharmoniker keine Puccini-Oper mehr gespielt. Das ist lange her. Nun widmen sie sich «Manon Lescaut» – bei den Osterfestspielen in Baden-Baden. Simon Rattle dirigiert

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Manon Lescaut», uraufgeführt 1893 wenige Tage vor Verdis «Falstaff», zeigt Puccini auf dem Weg zu sich selbst. Ein junger, selbstbewusster und erfolgsgeiler Komponist führt vor, was er kann. Ganz nebenbei vernichtet er – zumindest verbal – die Konkurrenz. Massenets neun Jahre zuvor erstmals gespielte «Manon» sei, so höhnte Puccini, ein Stück aus Puder und Menuett. Er wolle das Thema auf italienische Weise angehen, nämlich «con passione disperata».

Das hat er dann auch getan, freilich noch nicht mit jener Präzision von Stimmungsvaleurs und psychologischer Feinzeichnung, die ihm schon kurz darauf bei «La Bohème» zu Gebote stand. Überhaupt ist der Vergleich verblüffend. Wer den ersten Akt von «Manon Lescaut» hört, kennt automatisch auch den zweiten Akt von «La Bohème» – und umgekehrt. Viel Chor zwischen Deklamation und melodischer Umarmung. Heiteres Volkstreiben als Folie für ­einen sich anbahnenden privaten Konflikt. Die klingenden Gesten sind exakt dieselben. Die Tempokontraste, die instrumentalen Pointen. Nur dass im früheren Stück alles unschärfer bleibt, den ­Interpreten überlassen. Man könnte auch sagen: In der «Bohème» schreibt Puccini dasselbe Stück noch einmal, aber genauer. ...

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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Stephan Mösch

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