Banalität des Bösen
Es war eine schöne, aufregende Zeit: Ich gehörte nun richtig zu einem andauernd Musik produzierenden Betrieb, konnte Opernproben und -aufführungen besuchen, so viel ich wollte. In der Kantine unterhielt ich mich mit Orchestermusikern und ließ mich über Ventile, Griffe, Bogen- und Atemtechniken belehren, dankbar für jeden Rat, jede neue Lektion.
» 1950 wurde der 24-jährige Hans Werner Henze für die Ballett- und Bühnenmusik ans Staatstheater Wiesbaden engagiert, und als elf Jahre später seine Oper «Elegie für junge Liebende» in Schwetzingen uraufgeführt wurde, konnte jeder hören, welche Kenntnisse er damals im Graben und in der Kantine der Wiesbadener Oper gesammelt hatte. Unerhört die Eleganz und dramatische Passform, mit der Henze in der «Elegie» das kleine Orchester zum Klingen bringt, wie er die alten Formen der Passacaglia oder Arie mit dem neuen Zungenschlag der Seriellen konfrontiert; grandios das Geschick, mit dem er in Fortführung von Strauss und Berg Stimmen führt und zu (vor allem schlechten) Charakteren aufbaut.
Für seine letzten «Internationalen Maifestspiele» hat der scheidende Intendant Manfred Beilharz jetzt Henzes Oper erstmals nach Wiesbaden geholt – sicher ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Michael Struck-Schloen
Es scheint dem Intendanten Frédéric Chambert ein besonderes Anliegen zu sein, der Gegenwart in der BelcantoStadt mehr Platz einzuräumen. Für den als Auftragswerk des Théâtre du Capitole soeben uraufgeführten Dreiakter «Les Pigeons d’argile» wandte er sich an Philippe Hurel, einen Komponisten aus Pierre Boulez’ IRCAM. Bislang hatte sich Hurel auf Instrumental- und...
Es gebe keine Erfolgsgarantie, die könne es, solle es nicht geben. «Sicher ist nur das Risiko», sagte Kaspar Holten, Artistic Director des Royal Opera House, als er Anfang 2013 vorstellte, was Covent Garden in Sachen neuer Oper plante: Erstaufführungen wichtiger Werke, Auftragskompositionen; bis 2020 reichen die Pläne. Ein Bekenntnis zum Zeitgenössischen. Damit das...
Mut zum Scheitern, Lust am Gelingen
Der Juli ist der Monat des zeitgenössischen Musiktheaters – nicht nur in Wien bei den Festwochen und in München auf der Biennale, wo u. a. Marko Nikodijevics «Vivier» uraufgeführt wurde (Foto). Die Bayerische Staatsoper bringt einen Klassiker heraus, Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten»; in Mannheim und Düsseldorf besuchen wir neue...
