Berühren statt rühren
Tri-tra-trullala? Gewiss nicht. Der Kasperle, der da im Drillich über die Puppenbühne hetzt, ist nicht der fröhliche Freund der Kinder, sondern eine geschundene, im Wahn zum Mörder werdende Figur. Es ist die Geschichte vom armen Soldaten, dem nach experimentellem Dörrbohnengenuss die Birne weich wird – von Georg Büchner aufgegriffen und von Alban Berg genial in Musik gesetzt.
Dass das Publikum sich indes am Schicksal eines armen Teufels sentimental erbauen könnte, fand Andreas Homoki obszön.
Also entschied der Regisseur der Zürcher Inszenierung von Bergs «Wozzeck» sich gegen jede «Arme-Leut»-Romantik und für eine extreme Stilisierung als makabres Puppentheater nach Art von «Punch and Judy». Zur Kenntlichkeit verzerrtes (Un-)Menschentum, mit Menschen aus Fleisch und Blut als grotesken Puppen. Der großartige Wozzeck Christian Gerhahers (seine Leistung in dieser Partie brachte dem Bariton den Titel «Sänger des Jahres» ein) ist als Einziger nicht der Karikatur anheim gegeben. Dass auch bei ihm durch die Stilisierung ein V-Effekt bleibt, der die Figur unserem undifferenzierten Mitleid entzieht, kommt dem Sänger entgegen, der einmal feststellte: «Es gibt einen notwendigen Unterschied ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Gerhard Persché
Secco-Rezitative? Frauen in Hosenrollen? Im Neapel des frühen 19. Jahrhunderts galt das schon als altmodisch, jedenfalls an den kleineren Theatern. Man zog den Mezzos hohe Tenöre vor, an die Stelle der Rezitative traten gesprochene Dialoge – wie im Singspiel oder der Opéra comique, bloß im neapolitanischen Dialekt. Für die Premiere von «Olivo e Pasquale» 1827...
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Impressum
57. Jahrgang, Nr 12
Opernwelt wird herausgegeben von
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ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752295
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Albrecht...
