Bernsteins beste Oper

«Trouble in Tahiti» in einer ­Einspielung aus der Picardie

Opernwelt - Logo

Sein ganzes Komponistenleben lang war Leonard Bernstein ein eifriger Grenzgänger zwischen «ernster» und unterhaltender Musik, dabei dem etwas pauschalen Motto folgend, es gebe keine Trennung zwischen E und U, sondern bloß zwischen guter und schlechter Musik. Nur die Oper ging ihm nie wirklich von der Hand – obwohl er immer davon träumte, die große amerikanische Oper zu schreiben. Auch mit «A Quiet Place» (1983) verfehlte er sein Ziel, doch machte dieses Werk auf ein anderes aufmerksam, in dem er der genrespezifischen Quadratur des Kreises mit einfachen Mitteln sehr nahe gekommen war.

Denn eingebettet in die dreiaktige Oper um die Probleme eines homo­sexuellen Sohnes mit seinem machohaften Vater war «Trouble in Tahiti», ein Einakter, den Bernstein 1952 an der Brandeis University in Waltham/Massachusetts herausgebracht hatte, sein wohl avanciertestes Musiktheaterwerk. Das vierzigminütige Stück zeigt das triste Innenleben eines Mittelklasse-Ehepaars in den Suburbs einer typisch amerikanischen Großstadt. Sam ist Bürokarrierist und widmet sich neben seinem Beruf und dem Sport vor ­allem seiner Sekretärin. Dinah frequentiert Psychotherapeuten, Modegeschäfte und das Kino, wo sie sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2007
Rubrik: CDs, Seite 65
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Reigen

Fast siebzig Jahre hatte es nach der Züricher Urauffüh­rung gedauert, bis Alban Bergs «Lulu» 1986 erstmals in Regensburg zu erleben war. Wiederum einundzwanzig Jahre später kam jetzt die zweite Inszenierung heraus. Intendant Ernö Weil realisierte die zweiaktige Fassung in der stimmigen Ausstattung von Daniel Dvorák, besetzt mit hauseigenen Kräften. Dass die...

Kitsch, Keifen, Keikobad

Unter allen Opern, die Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal in Angriff genommen haben, ist «Die Frau ohne Schatten» die ehrgeizigste: Es ging um nicht weniger als den aus der Zeitpsyche zu begreifenden Ehrgeiz, mit der Übergipfelung der «Zauberflöte» existenzielle Fragen (Menschwerdung, soziale Verantwortung und Sorge um die Nachkommen) in einem...

Fertig geschmiedet

Der Bayreuther «Ring» von 1955, dessen Teilveröffentlichung durch das britische Label Testament im vergangenen Sommer eine Sensation auf dem bewegten Histo-Markt war, liegt nun komplett vor. «Das Rheingold» und «Götterdämmerung» bestätigen und vertiefen die damaligen Eindrücke (vgl. OW 9-10/2006). Eine Aufnahme von seltener Geschlossenheit und auch in...