Berliner Grenzgänge: Bach und Brahms als Musiktheater
Musiktheater findet längst nicht mehr nur in Opernhäusern statt, überschreitet das Prinzip «Textvertonung», lässt den Werkbegriff von «Stücken» hinter sich. Es schafft sich eigene Formen, bedient sich aller erdenklichen Materialien. Alles kann Musiktheater werden: ein szenisches Projekt, gespielter Labortest, Performance, Tanztheater, szenische Aktion, visuelle Animation reiner Klänge, etwa von Passionsmusiken, Lied- oder Klavierzyklen. Es geht um die Suche nach neuen Räumen und Formen der Interaktion zwischen Raum, Künstler und Publikum.
Ein szenisches Spiel mit dem Brahms-Requiem und ein Abend mit und an Bachs Wohltemperiertem Klavier in Berlin sind die jüngsten Beispiele für die Öffnung des Musiktheatralischen.
Vor allem das Kulturzentrum Radialsystem V am Berliner Ostbahnhof ist ein Ort, an dem man mit wechselnden Ensembles und Gastspielen immer wieder neue Wege geht. Dort hat das freie Ensemble Novoflot Bachs «Weihnachtsoratorium» als Stationen-Farce und Offenbachs «Pariser Leben» als Groteske vorgestellt. Dort residiert Sasha Waltz mit ihrer Tanz-Compagnie. Und dort ist der Leiter des Zentrums, Jochen Sandig, jetzt mit seiner ersten eigenen Regiearbeit hervorgetreten. Sandig, ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Wolfgang Schreiber, Albrecht Thiemann
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Nicht New York und schon gar nicht Mailand sei während der letzten Jahrzehnte der Nabel der Opernwelt gewesen, sondern Wien. Jedenfalls, wenn es um sängerische Spitzenleistungen gehe. Das sucht die Reihe «Wiener Staatsoper live» der Firma Orfeo immer wieder zu suggerieren. Mit der jüngsten Publikation, die Aufnahmen von Edita Gruberova präsentiert – ihr 65....
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