Bauer sucht Frau
Folklore in der «Verkauften Braut»: Ja oder nein? Und wenn ja, wie viel? Und dann ist da noch die Frage nach dem Umgang mit der Komödie an sich: Smetanas Oper von 1866 stellt Regisseure offenbar vor immer größere Probleme. Im Rhein-Main-Gebiet hat zuletzt Georg Köhl in Wiesbaden eine hintergründige Emanzipationsgeschichte der Marie herausgefiltert; Stein Winge inszenierte in Frankfurt eine detailverliebte traditionelle Produktion.
In Mainz macht sich Tatjana Gürbaca ganz andere Gedanken um die «Verkaufte Braut»: Lokalkolorit findet sich nur noch in einem Berg- und Waldvorhang auf dem Bühnenhintergrund und bei einigen Kostümen. Ansonsten herrscht jene kühle Tristesse, die auch schon die letzten drei Inszenierungen Gürbacas («Werther» und «Manon» von Massenet, «Lucia di Lammermoor» von Donizetti) in Mainz bestimmte.
Der Chor könnte eine Serviermannschaft der DDR-Gastronomie sein – warum er auf Transparenten gegen «die allgemeine Käuflichkeit» oder «die Schließung» protestiert, wird wohl ewig Geheimnis des Regieteams bleiben. Denn die im Programmheft der Handlung zugeschriebene Kapitalismuskritik geben weder Stück noch Inszenierung her. Sämtliche Chorauftritte wirken in dieser Lesart ...
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Wenn im Dessauer «Maskenball» zum Schlussapplaus der Sänger des Gustav vor den Vorhang tritt, erhebt sich ein Mann im Publikum, zückt eine Pistole, schießt. Der König bricht zum zweiten Mal zusammen. Mörder unter uns? Eher: ein Gag, der spätestens nach der Premiere durch die Kritiken bestens bekannt ist und nur wenige überraschen dürfte. Regisseur Roland Schwab...
Der Kreis des ersten Jahres hat sich geschlossen. Kölns neuer Opern-Intendant Uwe Eric Laufenberg hat nach der ersten nun auch die letzte Saison-Premiere selbst in Szene gesetzt, auf die «Meistersinger» (vgl. OW 10/2009) folgte nun «Don Giovanni».
Zu hohe Maßstäbe sollte man allerdings nicht anlegen, schließlich gilt es zu bedenken, auf welch bescheidenem Level das...
Sigmund Freud scheint zur Zeit in Österreich die Rolle des Igels (im bekannten Wettlauf mit dem Hasen) innezuhaben: Wo immer man hinkommt, ist er schon da. Während Claus Guth seine «Tannhäuser»-Exegese an der Wiener Staatsoper in Freud’schen Gefilden ansiedelt, tritt der Psychoanalytiker in der Grazer Produktion von Bellinis «Sonnambula» unter dem Pseudonym Conte...
