Aus der Zeit gefallen
Die Welt ein Gedankengebäude. Ein Gespinst aus Ideen nur. Immer wieder fasziniert diese Idee, die Arthur Schopenhauer einst formulierte, als eine Möglichkeit, sich vor ihr als tatsächlichem Gegenstand zu schützen. Die Welt als Wille und Vorstellung, das ist mehr als nur ein Titel eines unzweifelhaft bedeutenden Werkes, das nicht zufällig eine der geistessprungtauglichsten Triebfedern für Wagners «Ring» war, sondern immanent das umschrieb, wofür unsere Fantasie so nützlich ist.
«Keine Wahrheit ist also gewisser», so notiert es – apodiktisch – der Philosoph Schopenhauer gleich im ersten Paragraphen seines Opus magnum, «von allen unabhängiger und eines Beweises weniger bedürftig, als diese, dass Alles, was für die Erkenntnis da ist, also diese ganze Welt, nur Objekt in Beziehung auf das Subjekt ist, Anschauung des Anschauenden, mit Einem Wort, Vorstellung.»
Man tut gut daran, sich diesen Satz ins Gedächtnis zu rufen, wenn man in die Dresdner Oper geht, um dort die neue Oper von Manfred Trojahn anzusehen. «La grande magia», frei nach Eduardo de Filippos 1948 verfasstem gleichnamigen Schauspiel auf ein (poetologisch äußerst handliches, zugleich weit blickendes) Libretto von Christian ...
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Die Geduld zahlte sich nicht aus: Achtundzwanzig Jahre hat man in Braunschweig auf diese «Lohengrin»-Neuinszenierung gewartet, doch zumindest szenisch blieb das Ergebnis unter dem üblichen Niveau des Staatstheaters.
Auf der Bühne sehen wir eine riesige Holzskulptur, halb Schwanenskelett, halb Trojanisches Pferd, die so gar nichts von Wagners silbrig-mystischer...
Schon der Beginn der Oper klingt verheißungsvoll: Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks präsentiert sich unter der Leitung von Bertrand de Billy vom ersten Takt an als jener exquisite Klangkörper von geschmeidiger, in allen Belangen differenzierender Tongebung und rhythmischer Elastizität, als der er diese Aufnahme bis zum Schluss maßgeblich prägt....
So wenig Held war Lohengrin selten. Ein unauffälliger, ältlicher Mann in dunkelgrauem Mantel, der unbeachtet auf seinem Reisekoffer mitten im Volk von Brabant herumsitzt. Nicht einmal ein Schwert hat er dabei – das muss er sich für seinen Kampf gegen Telramund mal eben bei einem konsternierten Edlen leihen.
Aber da ist ja Elsa, das somnambule Mädchen, das...
