Wunder gibt es immer wieder
So wenig Held war Lohengrin selten. Ein unauffälliger, ältlicher Mann in dunkelgrauem Mantel, der unbeachtet auf seinem Reisekoffer mitten im Volk von Brabant herumsitzt. Nicht einmal ein Schwert hat er dabei – das muss er sich für seinen Kampf gegen Telramund mal eben bei einem konsternierten Edlen leihen.
Aber da ist ja Elsa, das somnambule Mädchen, das unverbrüchlich daran glaubt, dass dereinst ein strahlender Prinz kommen wird, um sie zu retten.
Und weil der Glaube bekanntlich Berge versetzt, sorgt er für das nötige Wunder und verwandelt den grauen Kofferträger in einen strahlend-weißen Hoffnungsträger.
Weil nun nicht nur Elsa glaubt, dass es immer wieder Wunder gibt, sondern auch das Volk, schickt es stante pede den bis dato allseits geschätzten, aber recht rüden Feldherrn Telramund in Acht und Bann und läuft mit fliegenden Fahnen zum neuen Star über. Schon wird es zeitweilig hell in der düsteren Provinz, und selbst die zerschlissenen Viebrock-Mustertapeten, mit denen Ausstatter Stefan Rieckhoff die bedrückend steilen Wände beklebt hat, sehen auf einmal viel weniger schmuddelig aus. Meterhohe Schwanenfedern dominieren das Ambiente, eine schöne Reminiszenz an das kleine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Luigi Cherubinis «Médée» gerät seit ihrer Pariser Uraufführung 1797 regelmäßig in Vergessenheit, um periodisch immer wieder neu entdeckt zu werden. Ihre jüngste Renaissance mit Inszenierungen in Wien (siehe OW 5/2008) und Brüssel (siehe OW 6/2008) verdankt sie Heiko Cullmanns 2007 erschienener, preisgekrönter Neuedition im Simrock-Verlag. Der Klagenfurter...
Manchmal werden selbst die üppigsten Rechnungen ohne den Wirt gemacht. Das Größte, das Schönste, das Beste sollte es sein, als man Anfang der neunziger Jahre in Baden-Baden über ein neues Veranstaltungshaus für Konzerte, Ballett- und Opernaufführungen nachdachte. Die beschauliche Stadt an der Oos hatte es satt, in der öffentlichen Wahrnehmung als Kurort und...
Was wohl mag Georg Friedrich Händel bewogen haben, den Londonern im Jahr 1744 statt des gewohnten Oratoriums die Vertonung eines vierzig Jahre alten Opernlibrettos vorzusetzen, noch dazu ein Werk William Congreves, des Großmeisters der englischen «Comedy of Manners», die zu diesem Zeitpunkt längst aus der Mode war? Deren Kennzeichen ist die hochentwickelte und...
