Aus dem Leben eines Taugenichts
Im Klassik-Jetset trifft man unausweichlich auf diesen ganz bestimmten Typ. Dem Aussehen nach lebt er ausschließlich von miesem Airlinefraß und matten Pausenhäppchen. Die Zähne schimmern gräulich, der Atem haucht Theatermoder. Über seiner Schulter hängt eine abgewetzte Kunstledertasche, und das ist dann auch schon alles, was er an Gepäck dabei hat. Darin: ein Laptop und einer dieser großen Mehrjahres-Pappkalender. Als Bodensatz Nähsets und Seifenfläschchen aus billigen Hotels.
Schließlich ein einzelnes Paar Unterhosen, die er immer schön im Wechsel trägt mit denen, die er am Leib hat. Die Ausrüstung ist so sehr mit seinem Wesen verschmolzen, dass er selbst ohne Tasche in latenter Dauerschräglage steht – ein schiefer Turm von Pisa aus Fleisch und Blut.
Wenn Sie so einen in der Oper sehen, wissen Sie: Aha, ein Agent. Meine Agenten jedenfalls haben alle so ausgesehen. Und ich hatte viele.
«Was denn, meine Künstler kriegen doch 90 Prozent von dem, was ich verdiene!», witzeln Agenten gern, als wäre alles ihr Verdienst. Mal ehrlich: Den Sänger, der darüber lachen kann, muss ich erst noch kennenlernen.
Meinen ersten Agenten habe ich zum Teufel gejagt, als er mit einem Vertrag ein ganzes ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christopher Gillett
Frau Schneider, wie kam es eigentlich zum Fachwechsel?
Das hat sich so ergeben, da bin ich reingewachsen. Ich dachte immer, ich singe die Königin, bis ich 50 bin ... Die Stimme hat sich allerdings anders entwickelt, und ich bin gottfroh darüber. Die Donna Anna in Stuttgart wollte ich damals adäquater singen, breiter, dicker im Ton. Das war der erste Schritt. Noch...
Drei abgehackte Köpfe, damit haben wir gerechnet, summa summarum. Wer auszieht zu dreimal «Salome», muss sich schließlich auf eine gewisse Anzahl Kunststoffleichenteile gefasst machen. Aber es werden fünf. Und drei davon gehören nicht Jochanaan.
An Coburg liegt es nicht. Hier wird solide am Libretto entlang erzählt, und auf dem Höhepunkt gibt’s Jochanaans bleiches...
Glucks Reformopern begegnet man mit Respekt, aber die Bühne tut sich schwer mit ihnen. Auch wenn sie längst nicht mehr auf «edle Einfalt» und «stille Größe» getrimmt werden, schreckt ihre «verteufelte Humanität» noch immer ab. Dieser Einschüchterung sind im Gluck-Jahr 2014 nur zwei Inszenierungen – Romeo Castelluccis Wiener «Orfeo» und die «Paride ed Elena» des...
