Aus dem Leben eines Taugenichts
Vor Kurzem bekam ich eine E-Mail aus der Marketing-Abteilung eines Theaters, an dem ich probte. Sinngemäß stand da: «Wir hoffen, dass Sie Ihre Freunde, Verwandten, Kollegen und überhaupt alle, die Sie kennen, mit Ihren Erlebnissen hier nerven wollen». Dabei werde man mir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Personalisierte Banner für Twitter, Facebook und die E-Mail-Signatur lagen zum Download bereit. Man lud mich ein, den hauseigenen YouTube-Kanal zu abonnieren, schlug Hashtags vor und forderte mich ganz allgemein auf, Teil des Netzgeplappers zu werden. Sie hatten an alles gedacht.
Ich überlegte mir die Sache ungefähr drei Sekunden lang – und löschte dann den Schrieb. Rar mache ich mich nicht in den sozialen Medien – ich bin, wie fast jeder mit einem über die Welt verstreuten Bekanntenkreis, dankbar für die Möglichkeit, unkompliziert in Kontakt und auf dem Laufenden zu bleiben. Und wenn ich von einem Kollegen lese, «Wir proben gerade für ‹Tosca›. Das ist mein erster Scarpia, und ich bin mir echt nicht sicher, ob ich gut genug bin. Ich hoffe, ich versau es nicht», dann interessiert mich das. Wahrscheinlich gehe ich sogar hin. Weil da einer ehrlich beschreibt, wie es ihm geht. Wenn ich ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Christopher Gillett
Diese Uraufführung versprach eine grausige Geschichtsstunde. Die Story: Eine Prostituierte, Sarah Osborne, wird für den Mord an ihrem Ehemann und den zwei Kindern gehängt, die Leiche sodann öffentlich seziert. Tatsächlich floss in Bob McGraths Inszenierung von David Langs «Anatomy Theater» reichlich Kunstblut. Vor allem aber punktete die Los Angeles Opera im...
Es ist nicht klar, wer die Idee zuerst hatte; sie ist nicht neu, aber originell. Wenn Opernsänger jeden Abend so tun, als ob sie lieben und sterben, dazu mit stumpfen Schwertern kämpfen und – in einer Welt aus Holz und Pappe, die so beleuchtet ist, dass sie die Zuschauer für echt halten – Gift trinken, das gar nicht giftig ist: Reicht es dann nicht auch, nur so zu...
Schon länger machte er sich bei Achim Freyer und Robert Wilson als Co-Regisseur nützlich. Er inszenierte bereits am Salzburger Landestheater und in Wuppertal, jetzt scheint er sich auf den Marsch durch die größeren Institutionen zu begeben. Das Staatstheater Karlsruhe lud Tilman Hecker nun ein, Vincenzo Bellinis Romeo-und-Julia-Oper «I Capuleti e i Montecchi» auf...
