Aus dem Leben eines Taugenichts
Keine Frage: Neue Musik schmeckt nicht jedem. Mir aber schon. Sie ist sogar mein täglich Brot. Und die Butter obendrauf. Das soll nicht heißen, dass ich meine Tage damit zubrächte, in Birtwistle zu baden oder den Kochlöffel zu Xenakis zu schwingen. Nö. Ich gehöre nicht zu diesen Hardcore-Fans, man kennt die, Männer mit Rauschbart und mit wildem Haar, Sandalen an den Füßen und einem Leinenbeutel voll Stockhausen am Arm. Aber ich bin’s mehr als zufrieden, solche Sachen aufzuführen. Und mich dafür bezahlen zu lassen.
Mit etwas Glück ist sogar mal ein richtig gutes Stück dabei. Und mit noch mehr Glück, das ist dann das Sahnehäubchen, kann ich es auch noch mehr als einmal singen. Aber mal ehrlich: Ersteres kommt selten vor, Letzteres noch viel seltener. Deshalb lassen viele Sänger ja auch ganz die Finger davon. Nicht, weil es Feinkost für ein paar Auserwählte ist. Nicht wegen ihres verstockten Geschmacks oder der ach so empfindlichen Kehle. Es geht ums Repertoire. Es ist einfach verdammt ärgerlich, monatelang für ein Stück zu ackern, das nach der Uraufführungsserie nie wieder auf eine Bühne kommt. So gesehen ist man mit Mozart natürlich besser dran.
Aber ich bin da unbelehrbar. Ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Christopher Gillett
Das Urteil über Richard Strauss blieb lange gespalten. Ernst Bloch meinte schon in den Zwanzigerjahren, es sei schwer «über ihn ins Reine zu kommen». Und noch zum 50. Todestag schrieb der Musikwissenschaftler Volker Scherliess, es liege auf der Hand, dass zwischen der Erfolgsverwöhntheit von Strauss und seinem künstlerischen Schaffen eine Beziehung bestehe: «Wer...
Mut zum Scheitern, Lust am Gelingen
Der Juli ist der Monat des zeitgenössischen Musiktheaters – nicht nur in Wien bei den Festwochen und in München auf der Biennale, wo u. a. Marko Nikodijevics «Vivier» uraufgeführt wurde (Foto). Die Bayerische Staatsoper bringt einen Klassiker heraus, Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten»; in Mannheim und Düsseldorf besuchen wir neue...
Bernhard Lang ist nicht der Erste, der Arthur Schnitzlers «Reigen» auf die Opernbühne bringt. Aber seine Ästhetik der transformativen Wiederholung, mit dieser Überzeugung durfte man zur Uraufführung des Stücks bei den Schwetzinger Festspielen reisen, schien die idealen Voraussetzungen zu bieten, Schnitzlers Variationsdramaturgie des Immergleichen – zehn Figuren,...
