Aus dem Geist der Sinfonie

Boito: Mefistofele Freiburg / Theater

Opernwelt - Logo

Der verneinende Geist hat Konjunktur, auch auf Opernbühnen. Zu Beginn der Spielzeit München, an Pfingsten Baden-Baden – dazwischen jetzt Freiburg: Arrigo Boitos «Faust»-Oper mit der gezielten Titelwahl «Mefistofele» scheint Regisseure und Dramaturgen herauszufordern. «Und was in schwankender Erscheinung schwebt / Befestiget mit dauernden Gedanken.» Das Schweben nimmt Regisseur Ludger Engels durchaus wörtlich. Im Prolog präsentieren er und sein Ausstatter Ric Schachtebeck eine Art schwebende Glasvitrine, in die fortwährend Bühnennebel gepumpt wird.

Der Geist ist domestiziert und gefangen. Oder alles nur Trugbild? Engels’ Theater zeigt sich skeptisch gegenüber der Illusion, romantisches Instrumentarium wie Harfe und Donnerblech werden von der Bühne aus bespielt – WYSIWYG («What you see is what you get») sagt man im digitalen Zeitalter wohl dazu. Und man bekommt einiges zu sehen – eine Vertikalseilartistin etwa, die zum Chor der Büßerinnen im Prolog vergeblich versucht, den Höhen entgegenzuschweben.

Obsiegt also das Böse, triumphiert Mephisto? Engels hat richtig erkannt, dass der verneinende Geist keinen wirklichen Gegenspieler hat in dieser Oper. Einfache Antworten gibt es nicht: Ist ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Ausgezeichnet

Sieben Stücke für das Musiktheater hat er geschrieben, darunter ein Werk über «Gilgamesch», das älteste Epos der Literaturgeschichte, und eine Reflexion über den Orpheus-Mythos: «Der unendliche Gesang». Das Unabschließbare, Uneinholbare, Ungeordnete ist überhaupt der mentale Ausgangs- und Angelpunkt des Komponisten, dem das Kuratorium der Ernst von Siemens...

Glück, das mir verblieb

Einer, der aussehe wie Erich Wolfgang Korngold, könne nicht genial sein, soll Karl Kraus geätzt haben. Natürlich nicht in der «Fackel», sondern im Freundeskreis. Und deutlich unter seinem Niveau. Viel Gift spritzte damals über die Marmortische der Wiener Kaffeehäuser in der Auseinandersetzung um diesen Komponisten, der heftig umschwärmt, aber auch verachtet wurde,...

Nebensonnen

Zwei junge, hochbegabte Sopranistinnen, Anna Lucia Richter und Julia Sophie Wagner, brechen mit ihren ersten Solo-Alben aus dem Einerlei der Standard-Liedprogram­me aus, auch wenn das Ergebnis nicht völlig überzeugt. Als Absolventin der Leipziger Musikhochschule hat Wagner für ihre von Eric Schneider einfühlsam begleitete CD bewusst Lieder der beiden...