Glück, das mir verblieb

Erich Wolfgang Korngolds Lied-Œuvre mit Konrad Jarnot und Adrianne Pieczonka, einfühlsam begleitet von Reinhild Mees

Opernwelt - Logo

Einer, der aussehe wie Erich Wolfgang Korngold, könne nicht genial sein, soll Karl Kraus geätzt haben. Natürlich nicht in der «Fackel», sondern im Freundeskreis. Und deutlich unter seinem Niveau. Viel Gift spritzte damals über die Marmortische der Wiener Kaffeehäuser in der Auseinandersetzung um diesen Komponisten, der heftig umschwärmt, aber auch verachtet wurde, unter anderem wegen seines Hangs zum Eklektizismus. Anlass für Animositäten gegen ihn war nicht zuletzt sein Vater, der mächtige Kritiker Julius Korngold.

Auch hierzu gab Kraus seinen Kommentar: «Das Wort Familienbande hat einen Beigeschmack von Wahrheit.»

Konsequenterweise trägt der erste Liedzyklus Erich Wolfgang Korngolds – Lieder auf Gedichte Eichendorffs (1911) – den parodistisch-beschwörenden Titel «So Gott und Papa will». Doch Papa wollte zunächst nicht. Er verweigerte die Freigabe. Was eher auf väterliche Sturheit denn auf künstlerische Einsicht schließen lässt, denn der Knabe arbeitete sich bereits als Vierzehnjähriger mit großer Reife am hochromantischen Liederbe ab und verband hoch expressiven Tiefgang mit schlichter Schönheit. Den Beweis dafür tritt in diesem Recital der englische Liedspezialist und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Beatmet

Hieße der Komponist nicht Verdi – niemand würde dieses Stück spielen. Weder die 1843 für Mailand als Remake des «Nabucco»-Sensationserfolgs geschriebenen «I Lombardi alla prima crociata» noch die 1847 für Paris umfrisierte Version «Jérusalem». Die für die Neufassung verantwortlichen Librettisten übernahmen das Kreuzzugs-Ambiente, verwandelten aber die Lombarden in...

Was kommt...

Holger Falk
Uns ist er u. a. mit experimentierfreudigen Recitals aufgefallen, Liedern von Erik Satie und Josef Hauer etwa. Bald steht in Wiesbaden der Stolzius aus Zimmermanns «Soldaten» an. Wir haben den vielseitigen Bariton zum Gespräch getroffen.

Waliser Leben
Die Welsh National Opera in Cardiff verpasst ihrer Beaumarchais-Trilogie ein modernes Ende: Rossinis...

Sonnenkönigskunst

Der fruchtbaren Zusammenarbeit der beiden wichtigsten Bühnenkünstler unter Ludwig XIV. – Molière und Jean-Baptiste Lully – haben wir eine eigene Gattung zu verdanken: die Comédie ballet. Im Falle der aktuellen Tourneeproduktion von «Monsieur de Pourceaugnac» präsentiert sie sich eher als Sprechtheater mit musikalischen Einschüben denn als Musiktheater mit...