Auftakt zum Finale
Sommerfestivals für Musiktheater gibt es an vielen Orten, doch nicht überall harmonieren Kulisse und Akustik so gut wie in Heidenheim. Nicht nur die über der Stadt thronende mittelalterliche Ruine des Schlosses, die in diesem Jahr mit Puccinis «Bohème» bespielt wurde, sondern auch das gegenüberliegende, als Festspielhaus genutzte großzügige Congress Centrum bieten eine Atmosphäre, die nicht alltäglich ist.
An einem kühleren Abend etwa konnte man sich glücklich auf einen mit allem Komfort inszenierten Pariser Weihnachtsmarkt versetzen lassen (einschließlich Schlittschuhen und Zuckerwatte) – bildete das vergleichsweise opulente Bühnenbild doch die Folie, auf der Petra Luisa Meyer ein mehr leichtfertiges als leichtes Leben inszenierte, weniger in ein historisiertes Quartier Latin als in die zeitlose Realität einer jungen, mittel- wie verantwortungslosen Generation eingebettet. Der Bruch zwischen erfrischend frecher Partystimmung und dem traurigen Ende fällt so noch schärfer aus – auch darstellerisch wie stimmlich von einem jungen, hoch motivierten Ensemble überzeugend umgesetzt.
Soweit die trefflich geglückte Pflicht. Doch die weit über die Region hinaus bekannten Opernfestspiele ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Magazin, Seite 97
von Michael Kube
Auf dem Cours Mirabeau und den anderen platanenumsäumten Boulevards flaniert sich’s wie immer, aber an Brennpunkten des öffentlichen Lebens wird die Veränderung doch merklich. Die liberté aus der Wunschparole der großen Revolution wird von der sécurité angefressen, und wo, bitte schön, ist die fraternité geblieben? Egalité wird an den Festspieleingängen...
An frischer Luft den Atem leicht zu heben. Ob in den sogenannten «Schanigärten» (nach dem alten Wiener Dienernamen Jean), die alljährlich zur Sommerzeit aus den Gehsteigen vor Wiens Restaurants wachsen wie Pilze nach dem Regen. Ob in den diversen Freiluftbühnen um Wien, wobei die Gast- und die Kunststätten einander kulinarisch durchaus verwandt sind. Man muss das...
Seit 1945 spielt hier allsommerlich die Musik. Auf einem prachtvollen Landsitz, etwa 80 Kilometer nördlich von New York City. Damals luden die Eigentümer des Anwesens, der aus Berlin emigrierte Walter Rosen und seine Frau Lucy Bigelow (die übrigens einen Narren am Theremin gefressen hatte), erstmals zum Festival. Ein Musikzimmer und ein Hof in spanischer Anmutung...
