Aufruhr in Arkadien
Es ist äußerst verlockend, der These zu folgen, die Juan Batista Otero im Beiheft zu seiner Einspielung von Martín y Solers «Il sogno» entwickelt. Einen freimaurerischen Subtext vermutet der spanische Opernentdecker in der szenischen Kantate, die aller Wahrscheinlichkeit nach im August 1789 am Wiener Hof uraufgeführt wurde, und führt dafür eine ganze Anzahl Indizien in Libretto und Musik an.
Sollte das gedämpfte Grollen des Sturms, der über dem arkadischen Handlungsschauplatz aufzuziehen droht, ein Widerhall der französischen Revolution sein? Wäre das feierlich erwartungsfrohe Schlussterzett der scheinbar so harmlosen Nymphen-Story mit seiner Beschwörung eines «neuen Tages» ein versteckter politischer Appell an die Regierenden? Beweisbar ist das alles natürlich nicht, aber zumindest nicht unwahrscheinlich, zumal Martín y Soler in diesem Fall mit Lorenzo Da Ponte einen durchaus politisch denkenden Textdichter zur Verfügung hatte. Und warum sollte sich das Gefühl der nahenden Zeitenwende nur in der Musik Mozarts und nicht auch bei seinen unmittelbaren Konkurrenten spiegeln?
Denn musikalisch ist Martíns Kantate ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, dass das künstlerische Reizklima des ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Medien/CD, Seite 18
von Jörg Königsdorf
Pech für den Intendanten und Regisseur. Obwohl er mit einem Mikrofon ausgestattet den Vorhang teilt – wir verstehen kein Wort von ihm. Die Vertreter des Publikums, die «Tragischen» und die «Komischen», die «Lyrischen» und die «Hohlköpfe», die ihn aus den Proszeniumslogen chorisch bedrängen, übertönen den Hausherrn locker. Doch keine Bange, Marc Adam verschafft sich...
Als Bariton hat Plácido Domingo seine Karriere 1959 – war er wirklich, ewige Frage, erst 16 Jahre alt? –, begonnen, als Bariton hat er sich im Spätherbst seiner Laufbahn an der Staatsoper in Berlin, an der Scala und an Covent Garden präsentiert: mit zwei Dutzend Aufführungen von Giuseppe Verdis «Simon Boccanegra». Die von Antonio Pappano geleiteten Londoner...
Überraschen müsste nicht die späte Einsicht, die hier mitgeteilt und begründet wird. Überraschen müsste, dass es dazu so spät erst kommt. Immerhin liegt, worum es hier geht, schon mehr als hundert Jahre zurück, ohne dass es historisch verjährt wäre. Ob die Einsicht – falls sie denn überhaupt einleuchtet – zu heutigen Konsequenzen führen wird, bleibt abzuwarten....
