Außenseiter, Kosmopolit, Alleskönner
Überraschen müsste nicht die späte Einsicht, die hier mitgeteilt und begründet wird. Überraschen müsste, dass es dazu so spät erst kommt. Immerhin liegt, worum es hier geht, schon mehr als hundert Jahre zurück, ohne dass es historisch verjährt wäre. Ob die Einsicht – falls sie denn überhaupt einleuchtet – zu heutigen Konsequenzen führen wird, bleibt abzuwarten. Fällig wären Konsequenzen zumal bei den praktischen und theoretischen Sachwaltern des österreichischen heiteren Musiktheaters.
Angezeigt ist die Einsicht schon im Titel dieses Essays.
Etwas üppiger ausgedrückt, besagt er: Ohne die anregende, maßgebliche Mitwirkung des Librettisten und Bühnenkomponisten, des findigen Importeurs und Bearbeiters ausländischer Werke namens Genée, wäre die Wiener Operette unterblieben. Genauer, es gäbe sie nicht als das, was sie dann doch geworden ist: als profiliertes musikdramatisches Genre, familienähnlich zwar mit dem Vorbild der Pariser Operette, doch mit unverkennbar eigenem Gepräge.
Nicht anders als kurz zuvor in Paris war das, was da neu entstand, auch in Wien keine Schöpfung aus dem Nichts heraus. Konkret, es waren zwar, bevor Genée in Wien auf den Plan trat, schon eben jene drei Musiker ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Essay, Seite 26
von Volker Klotz
Trotz vier großer Bühnen war die mediale Außenwirkung der Pariser Opernhäuser bislang bescheiden. Die Produktionen von Bastille-Oper, Châtelet und Opéra Comique wurden nur sporadisch auf DVD festgehalten. Das 2009 gegründete Label fRA Musica scheint das jetzt ändern zu wollen. Nach einem erfolgreichen Start vor einigen Monaten mit Purcells «Dido» folgten mit der...
Von den italienischen Komponisten, die sich im Schatten Verdis zu behaupten versuchten, ist einzig Amilcare Ponchielli im Gedächtnis der Nachwelt geblieben, und auch das nur mit einer einzigen Oper, «La Gioconda». Tüchtige Meister wie Filippo Marchetti, Carlo Coccia und Antonio Cagnoni, lange Zeit nicht einmal mehr dem Namen nach bekannt, sind erst in jüngster Zeit...
Das Glück ist immer woanders. Und welcher Ort würde die Ruhelosigkeit, die ständige Suche, das Unbehauste, Vorläufige besser symbolisieren als ein Flughafen? Konsequent also, dass Regisseurin Elisabeth Stöppler und Rebecca Ringst (deren Stuttgarter «Rosenkavalier»-Raum gerade zum «Bühnenbild des Jahres» gewählt wurde) in Dresden die neueste Oper von Hans Werner...
