Auf dem Drahtseil
Christiane Karg im Netzkostüm, mit ermattet geschlossenen Augen, die rechte Hand in Verzweiflungsgeste vors Gesicht geführt: So präsentiert sich das Cover ihrer neuen CD. Das Booklet verheißt «Ausnahmezustände im Angesicht von Zerstörung und menschlicher Niedertracht. Abschiede, die einem das Herz zerreißen». Vor allem die verlassene Geliebte. «Eines ist Verlassenheit, ein anderes Einsamkeit», schreibt Nietzsche in «Also sprach Zarathustra». Denn Einsamkeit heißt Fremdheit auch unter Menschen.
Die verlassene Geliebte andererseits, die – ihrer Verzweiflung anheimgegeben – an den Rand des Wahnsinns gerät oder ihm gar verfällt, ist keineswegs einsam; der Geliebte ist ihr stets gegenwärtig, wenn auch als Objekt des Hasses. Auf jeden Fall ist dies ein dramatischer Topos des 18. Jahrhunderts, Thema zahlreicher Monodramen jener Epoche, die ihre Spur über die Wahnsinnsszenen der romantischen Oper des 19. Jahrhunderts und Wagners große Frauen-Monologe bis hin zu Schönbergs «Erwartung» ziehen.
Am Anfang – und zugleich im Mittelpunkt – von Christiane Kargs Album steht «Ah, perfido», Beethovens große Konzertszene für Sopran, die sich auch Maria Callas, Kirsten Flagstad und Birgit Nilsson ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Gerhard Persché
Die Oper Köln hat zur neuen «Arabella» ein Filmchen ins Netz gestellt, in dem das kanadische Produktionsteam Barbe & Doucet (so der Firmenname) seine Absichten mit der Lyrischen Komödie von Hofmannsthal und Strauss kundtut ‒ das heißt: Eigentlich redet nur Renaud Doucet, der Regisseur, während sein Ausstatter André Barbe konsequent schweigt.
Auf der Bühne kommt es...
Jonathan Dove, Sie haben Ihr Handwerk vor allem in der Praxis gelernt?
Nach dem Studium in Cambridge bei Robin Holloway war ich gut zehn Jahre als Korrepetitor, Begleiter, Arrangeur unterwegs, da lernt man, wie Oper funktioniert. Unter anderem habe ich für Graham Vick die «West Side Story» als Community-Oper eingerichtet – schon in den Achtzigern ein ganz ähnliches...
Dank ihres hohlen Rufs, der wie ein Hilfeschrei verlorener Seelen klingt, spielt die Eule die Rolle als Botin von Ungemach bis ins Triviale hinein; selbst Edgar Wallaces Schwarze Äbte fürchten ihn. Ein Memento-mori-Vogel, aber auch Mittler himmlischer Weisheit. Man denke an die Eule der Minerva, die freilich, so beschrieb es Hegel, ihren Flug erst zur einbrechenden...
