Auf Charons Luxusliner

Frankfurt, Puccini: Il trittico

Opernwelt - Logo

Frankfurt hat das Puccini-Jahr mit dem in Gänze selten gespielten «Trittico» eingeläutet. Drei Spielarten des Theaters, die grelle Kolportage («Il tabarro»), das sentimentale Rührstück («Suor Angelica») und die freche Burleske («Gianni Schicchi»), greift Puccini hier auf und leuchtet mit den ganz unterschiedlichen Einaktern tief hinein in die Abgründe des Menschseins. Regisseur Claus Guth und sein Dramaturg Norbert Abels wollten sich mit dieser nüchternen Tatsache nicht zufrieden geben und sind auf der Suche nach der Klammer, die die drei Welten verbindet, fündig geworden.

Denn allemal geht es, so Abels im Programmheft, um «Variationen über den Tod» – wobei Guth den drei Toten, dem er­drosselten Löscharbeiter Luigi («Il tabarro»), der im Selbstmord endenden Nonne Angelica und dem soeben verstorbenen Buoso Donati («Gianni Schicchi») überflüssigerweise noch einen vierten hinzufügt, nämlich Schicchi, der am Ende von den um ihr Erbe Geprellten erschossen wird und so wirklich in Dantes Hölle landet, aus der Puccini und sein Librettist Giovacchino Forzano ihn sich für ihr Spiel geborgt haben.
Guth ging aber noch einen Schritt weiter und hat die Todesarten von Puccinis theatralischem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2008
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Verdammt zum grässlichsten der Lose»

Bei einem so viel gespielten Werk des Repertoires wie Wagners «Fliegendem Holländer» muss es jedem Regisseur schwerfallen, einen radikal neuen Zugang zu finden. Nach dreißig Jahren Regietheater scheint die ganze Bandbreite zwischen gesellschaftskritischer Dekonstruktion und synkretistisch aufgepäppelter Vodoo-Bilderwelt, zwischen plattem Realismus und traumatischer...

Weltentwurf mit Klangschatten

Die Partitur von Emmanuel ­Nunes’ Oper «Das Märchen» hat 687 Seiten und ist mehr als einen Meter hoch. Trotzdem sind die Notenzeilen fast nur mit der Lupe zu lesen. Kaum passt auf eine Seite, was da alles gleichzeitig erklingen soll. Zur Besetzung des Orchesters gehören allein zwölf Flöten, die von vier Spielern bedient werden. Aus der Klarinetten­familie werden...

Sternenhimmel

Von Zeit zu Zeit entfaltet der doch ziemlich große Theaterraum der Nederlandse Opera Amsterdam einen überraschend intimen Zauber. Dann ist Christophe Rousset mit seinen «Les Talens Lyriques» wieder einmal eingekehrt, um dem dortigen Opernpublikum vorzuführen, wie wunderschön Barockoper sein kann, vor allem die aus Frankreich. Und weil der Amsterdamer Intendant...